Die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat

Gegen­stand der Urteils­fin­dung ist nur die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat im Sin­ne des § 264 Abs. 1 StPO.

Die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat

Aller­dings hat das Gericht die ange­klag­te Tat im ver­fah­rens­recht­li­chen Sin­ne erschöp­fend abzu­ur­tei­len; zur Tat in die­sem Sin­ne gehört das gesam­te Ver­hal­ten des Ange­klag­ten, soweit es mit dem durch die Ankla­ge bezeich­ne­ten geschicht­li­chen Vor­komm­nis nach der Lebens­auf­fas­sung einen ein­heit­li­chen Vor­gang dar­stellt.

In die­sem Rah­men muss das Tat­ge­richt sei­ne Unter­su­chung auch auf Tei­le der Tat erstre­cken, die erst in der Haupt­ver­hand­lung bekannt wer­den 1.

Die­se Umge­stal­tung der Straf­kla­ge darf aber nicht dazu füh­ren, dass die Iden­ti­tät der von der Ankla­ge umfass­ten Tat nicht mehr gewahrt ist, weil das ihr zugrun­de lie­gen­de Gesche­hen durch ein ande­res ersetzt wird 2.

So ver­hält es sich indes, wenn die Fest­stel­lun­gen des Gerichts hin­sicht­lich der Tat­zeit, des Anlas­ses und der Umstän­de der Tat­be­ge­hung so erheb­lich vom Ankla­ge­vor­wurf abwei­chen, dass mit ihnen eine ande­re als die ange­klag­te Tat beschrie­ben ist.Änderungen im Tat­säch­li­chen, die nicht zu einer Aus­wechs­lung des durch Ankla­ge und Eröff­nungs­be­schluss kon­kre­ti­sier­ten geschicht­li­chen Sach­ver­hal­tes durch einen neu­en füh­ren und die daher die Indi­vi­dua­li­sie­rung des Sach­ver­halts als ein bestimm­tes, von ande­ren unter­scheid­ba­res his­to­ri­sches Ereig­nis nicht betref­fen, bewir­ken nicht, dass die­ser in der Haupt­ver­hand­lung fest­ge­stell­te Sach­ver­halt nicht mehr von der Ankla­ge erfasst wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. März 2017 – 4 StR 516/​16

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 20.11.2014 – 4 StR 153/​14, Stra­Fo 2015, 68; Beschlüs­se vom 27.11.2011 – 3 StR 255/​11, NStZ 2012, 168, 169; vom 10.11.2008 – 3 StR 433/​08, NStZ-RR 2009, 146, 147[]
  2. BGH, Urteil vom 30.10.2008 – 3 StR 375/​08 8[]