Die über­las­se­ne Bank­kar­te – und die abspra­che­wid­ri­ge Geld­ab­he­bung

Der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat Beden­ken geäu­ßert, ob in Fäl­len, in denen der Täter an einem Geld­au­to­ma­ten mit der ihm vom Berech­tig­ten über­las­se­nen Bank­kar­te und unter Ver­wen­dung der ihm vom Berech­tig­ten bekannt gege­be­nen Geheim­zahl (abspra­che­wid­rig) Geld abhebt, ein Com­pu­ter­be­trug gemäß § 263a Abs. 1 3. Fall StGB mit der Begrün­dung abge­lehnt wer­den kann, es lie­ge kei­ne unbe­fug­te Daten­ver­wen­dung vor.

Die über­las­se­ne Bank­kar­te – und die abspra­che­wid­ri­ge Geld­ab­he­bung

Gegen die­se bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs1 kön­nen in der­ar­ti­gen Fäl­len nach Ansicht des 4. Straf­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs aus fol­gen­den Grün­den Beden­ken bestehen:

Die Zah­lungs­kar­te und die zuge­hö­ri­ge Geheim­zahl sind ein per­so­na­li­sier­tes Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ment, das von dem Bank­kun­den im Rah­men der Bestim­mun­gen des zugrun­de lie­gen­den Bank­kar­ten­ver­trags (§ 675j Abs. 1 Satz 4 BGB) dazu ein­ge­setzt wer­den kann, der Bank einen Zah­lungs­auf­trag (§ 675f Abs. 3 BGB) zu ertei­len2. Ist nach dem zwi­schen dem Bank­kun­den und der Bank geschlos­se­nen Bank­kar­ten­ver­trag bei der Nut­zung des per­so­na­li­sier­ten Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ments, das ohne­hin nach § 675l BGB geheim zu hal­ten ist, eine Bevoll­mäch­ti­gung Drit­ter aus­nahms­los aus­ge­schlos­sen, kann die Ver­wen­dung von Kar­te und Geheim­zahl durch einen Drit­ten einen Zah­lungs­auf­trag auch dann nicht auto­ri­sie­ren und damit im Sin­ne von § 675j Abs. 1 Satz 1 BGB wirk­sam machen, wenn deren Ein­satz mit Zustim­mung des Kon­to­in­ha­bers erfolgt. Soll ein Bevoll­mäch­tig­ter das Recht erhal­ten, für den Kon­to­in­ha­ber mit einem Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ment Zah­lungs­vor­gän­ge zu auto­ri­sie­ren, muss ihm ein eige­nes Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ment ein­schließ­lich geson­der­ter per­so­na­li­sier­ter Sicher­heits­merk­ma­le zuge­wie­sen wer­den3.

Dies könn­te es recht­fer­ti­gen, in Fäl­len der hier in Rede ste­hen­den Art das Tat­be­stands­merk­mal der unbe­fug­ten Ver­wen­dung von Daten gemäß § 263a Abs. 1 3. Fall StGB als ver­wirk­licht anzu­se­hen.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hof die­se Fra­ge aller­dings nicht ent­schie­den, da das Ver­fah­ren inso­weit teil­wei­se ein­ge­stellt wur­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Novem­ber 2016 – 4 StR 464/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 16.07.2015 – 2 StR 16/​15, NStZ-RR 2015, 337, 338; Beschluss vom 31.03.2004 – 1 StR 482/​03, NStZ 2005, 213; Beschluss vom 17.12 2002 – 1 StR 412/​02, BGHR StGB § 263a Anwen­dungs­be­reich 1; Tie­de­mann in Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., § 263a Rn. 50; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 263a Rn. 13 jeweils mwN []
  2. vgl. Mai­hold in: Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch Bd. I, 4. Aufl. § 54 Rn. 12 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 26.01.2016 – – XI ZR 91/​14, BGHZ 208, 331 = NJW 2016, 2024, 2029 f. []
  4. BGBl. I S. 3214 []