Die Beru­fung der Staats­an­walt­schaft – ohne Unter­schrift, ohne Beglau­bi­gungs­ver­merk

Eine Beru­fungs­ein­le­gung der Staats­an­walt­schaft ohne Unter­schrift und ohne Beglau­bi­gungs­ver­merk wahrt grund­sätz­lich die erfor­der­li­che Schrift­form.

Die Beru­fung der Staats­an­walt­schaft – ohne Unter­schrift, ohne Beglau­bi­gungs­ver­merk

Die für die Ein­le­gung des Rechts­mit­tels erfor­der­li­che Schrift­form (§ 314 Abs. 1 StPO) ist nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he in einem sol­chen Fall gewahrt, obwohl das inner­halb der Rechts­mit­tel­frist ein­ge­gan­ge­ne Tele­fax­schrei­ben weder – ent­ge­gen Nr. 149 RiSt­BV – vom bear­bei­ten­den Staats­an­walt hand­schrift­lich unter­zeich­net war noch einen Beglau­bi­gungs­ver­merk ent­hielt.

Zur Wah­rung der Schrift­form ist erfor­der­lich, dass sich aus dem Schrift­stück selbst 1 zwei­fels­frei der Inhalt der abge­ge­be­nen Erklä­rung, die Per­son des Erklä­ren­den, aber auch ergibt, dass es sich nicht um einen blo­ßen Ent­wurf han­delt 2.

Nach der von Gös­sel 3 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, wonach jeden­falls zum Nach­weis, dass es sich bei dem ein­ge­reich­ten Schrift­stück nicht nur um einen Ent­wurf han­delt, auf außer­halb der Erklä­rung lie­gen­de Umstän­de zurück­ge­grif­fen wer­den kann, wäre die­ser Nach­weis vor­lie­gend bereits durch das weni­ge Tage spä­ter beim Amts­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne Ori­gi­nal der Rechts­mit­tel­ein­le­gung erbracht.

Unab­hän­gig davon ergibt sich nach der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he in der Zusam­men­schau aus dem Zusatz "gez." zu dem die Erklä­rung abschlie­ßen­den Namen des bear­bei­ten­den Staats­an­walts in Maschi­nen­schrift und dem Hin­weis auf die elek­tro­ni­sche Erstel­lung des Schrei­bens hin­rei­chend sicher, dass es sich um eine im Ori­gi­nal vom Erklä­ren­den unter­zeich­ne­te und in den Geschäfts­gang gege­be­ne Erklä­rung, mit­hin nicht um einen blo­ßen Ent­wurf han­delt 4. Auch wenn es sich dabei nicht um eine förm­li­che Beglau­bi­gung han­delt – inso­weit ist die vom Ober­lan­des­ge­richt Dres­den 5 an der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Zwei­brü­cken 6 erho­be­ne Kri­tik berech­tigt, steht die­ser Bewer­tung die Ent­schei­dung des Gemein­sa­men Ober­lan­des­ge­richts der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des 5 nicht ent­ge­gen. Inso­weit ver­kennt das die­se Auf­fas­sung ver­tre­ten­de Ober­lan­des­ge­richt Dres­den 7, dass dort auf die ent­spre­chend beschränk­te Vor­la­ge­fra­ge (nur) dar­über zu ent­schei­den war, ob nur bei hand­schrift­li­cher Zeich­nung oder auch bei Ein­rei­chung einer beglau­big­ten Abschrift die Schrift­form gewahrt ist. Der Beant­wor­tung im letz­te­ren Sinn lässt sich aber nach den Grün­den der Ent­schei­dung gera­de nicht ent­neh­men, ob es zwin­gend der Beglau­bi­gung der Unter­schrift bedarf oder auch durch ande­re aus dem Schrift­stück sich erge­ben­de Anhalts­punk­te fest­ge­stellt wer­den kann, dass den die Schrift­form kenn­zeich­nen­den Anfor­de­run­gen genügt ist.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he damit von der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den 7 abweicht, gebie­tet dies kei­ne Vor­la­ge an den Bun­des­ge­richts­hof gemäß § 121 Abs. 2 Nr. 1 GVG, da das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den nicht als Revi­si­ons­ge­richt ent­schie­den hat 8.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 1. Okto­ber 2014 – 2 (6) Ss 442/​14; 2 (6) Ss 442/​14 – AK 118/​14

  1. BGHSt 30, 182, 183; teil­wei­se a.A. wohl LR-Gös­sel, StPO, 26. Aufl.2012, § 314 Rn.19[]
  2. GmS-OBG, NJW 1980, 172; BVerfGE 15, 288; BGH NJW 1984, 1974; NStZ 2002, 558; OLG Zwei­brü­cken NStZ-RR 2000, 308; OLG Nürn­berg NStZ-RR 2008, 316; OLG Jena Beschluss vom 19.03.2008 – 1 Ws 99/​09, bei juris; OLG Dres­den Stra­Fo 2014, 163; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl.2014, Einl Rn. 128; LR-Gös­sel a.a.O. § 314 Rn. 15 ff.; KK-Paul, StPO, 7. Aufl.2013, § 314 Rn. 10[]
  3. Gös­sel, a.a.O.[]
  4. im Ergeb­nis eben­so OLG Zwei­brü­cken a.a.O.[]
  5. a.a.O.[][]
  6. OLG Zwei­brü­cken, a.a.O.[]
  7. OLG Dres­den, a.a.O.[][]
  8. LR-Fran­ke a.a.O., § 121 GVG Rn. 51 m.w.N.[]