Die Besich­ti­gungs­fahr­ten des Auf­sichts­ra­tes

Ein Geschäfts­füh­rer kann dann nicht wegen Untreue ver­ur­teilt wer­den, wenn mit den – mit tou­ris­ti­schen Ele­men­ten ver­se­he­nen – Besich­ti­gungs­fahr­ten der Auf­sichts­rats­mit­glie­der eines Woh­nungs­un­ter­neh­mens vor­ran­gig sach­dien­li­che Zwe­cke ver­folgt wor­den sind und es damit an einem gra­vie­ren­den Pflicht­ver­stoß im Sin­ne des § 266 StGB fehlt.

Die Besich­ti­gungs­fahr­ten des Auf­sichts­ra­tes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die von der Staats­an­walt­schaft Müns­ter ein­ge­leg­te Revi­si­on in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Geschäfts­füh­rers der müns­ter­schen Fa. Wohn- und Stadt­bau GmbH ver­wor­fen. Die Staats­an­walt­schaft hat­te dem Geschäfts­füh­rer Untreue in 4 Fäl­len zur Last gelegt, weil er für die Pla­nung und Durch­füh­rung von Besich­ti­gungs­fahr­ten der Auf­sichts­rats­mit­glie­der des Woh­nungs­un­ter­neh­mens nach Uetrecht/​Rotterdam, Leipzig/​Dessau, Lübeck und Litau­en ver­ant­wort­lich war. Nach­dem das Land­ge­richt die Fahr­ten detail­liert auf­ge­klärt hat­te und zu der Über­zeu­gung gelangt war, dass mit die­sen vor­ran­gig sach­dien­li­che Zwe­cke ver­folgt wor­den sei­en, hat es den Ange­klag­ten man­gels evi­den­ten und damit im Sin­ne des § 266 StGB straf­ba­ren Pflich­ten­ver­sto­ßes frei­ge­spro­chen. Gegen die­ses Urteil rich­tet sich die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ist die­se Beur­tei­lung des Land­ge­richts Müns­ter nicht zu bean­stan­den. Die vom Land­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen erlaub­ten den Schluss, dass die durch­ge­führ­ten Fahr­ten durch sach­dien­li­che Zwe­cke – Infor­ma­ti­on und Fort­bil­dung der Auf­sichts­rats­mit­glie­der im Hin­blick auf aktu­el­le bzw. anste­hen­de Bau­vor­ha­ben – domi­niert wor­den sei­en. Damit lie­ge trotz der unver­kenn­ba­ren bzw. unver­meid­ba­ren tou­ris­ti­schen Ele­men­te kein gra­vie­ren­der Pflicht­ver­stoß des Ange­klag­ten vor.

Im Übri­gen schlie­ße ein Ein­ver­ständ­nis der Stadt Müns­ter als Ver­mö­gens­in­ha­be­rin den Tat­be­stand der Untreue aus. Weil von Sei­ten der Stadt zu kei­nem Zeit­punkt Beden­ken gegen die Fahr­ten erho­ben, die­se viel­mehr in eine Ver­an­stal­tungs­lis­te auf­ge­nom­men wor­den sei­en, kön­ne ein schlüs­sig erklär­tes Ein­ver­ständ­nis ange­nom­men wer­den. Nach den Grund­sät­zen „in dubio pro reo“ sei zudem zumin­dest ein hypo­the­ti­sches Ein­ver­ständ­nis der Stadt nicht aus­zu­schlie­ßen. Die in Fra­ge ste­hen­den Besich­ti­gungs­fahr­ten wider­sprä­chen nach dem seit dem 1. Juli 2011 gel­ten­den „Cor­po­ra­te Gover­nan­ce Kodex“ nicht dem heu­ti­gen Wil­len der Stadt.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 21. August 2012 – III-4 RVs 42/​12