Die Bestechung des Bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten

Zur Bestech­lich­keit kom­mu­na­ler Man­dats­trä­ger muss­te der Bun­des­ge­richts­hof jetzt erneut Stel­lung neh­men:

Die Bestechung des Bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten

Das Land­ge­richt Köln hat­te im ers­ten Rechts­gang den Ange­klag­ten Dr. Heu­gel wegen Bestech­lich­keit zu einer Frei­heits­stra­fe von drei Jah­ren und sechs Mona­ten und den Ange­klag­ten Rüt­her wegen Bestech­lich­keit in Tat­ein­heit mit Bei­hil­fe zur Bestech­lich­keit zu einer Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt. Auf die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten hob der 2. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs mit Urteil vom 12. Juli 2006 das land­ge­richt­li­che Urteil gegen den Ange­klag­ten Rüt­her wegen einer Ver­let­zung sach­li­chen Rechts und mit Urteil vom 27. April 2007 das Urteil gegen den Ange­klag­ten Dr. Heu­gel wegen eines Ver­fah­rens­feh­lers auf und ver­wies die Sachen zu erneu­ter Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an eine ande­re Wirt­schafts­straf­kam­mer des Land­ge­richts zurück.

Auf Grund der erneu­ten, nun­mehr gegen bei­de Ange­klag­te gemein­sam geführ­ten Ver­hand­lung hat das Land­ge­richt mit Urteil vom 7. August 2008 den Ange­klag­ten Dr. Heu­gel wegen Bestech­lich­keit zu einer Frei­heits­stra­fe von einem Jahr und neun Mona­ten und den Ange­klag­ten Rüt­her wegen Abge­ord­ne­ten­be­stechung in Tat­ein­heit mit Bei­hil­fe zur Bestech­lich­keit zu einer Frei­heits­stra­fe von einem Jahr und sechs Mona­ten ver­ur­teilt. Die Voll­stre­ckung bei­der Frei­heits­stra­fen hat es zur Bewäh­rung aus­ge­setzt.

Der Ange­klag­te Dr. Heu­gel war von April 1998 bis Sep­tem­ber 1999 Ober­stadt­di­rek­tor der Stadt Köln und SPD-Kan­di­dat für die erst­ma­li­ge Wahl eines haupt­amt­li­chen Ober­bür­ger­meis­ters im Herbst 1999. Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts bat er Anfang 1999 den Mit­an­ge­klag­ten Rüt­her, den dama­li­gen Vor­sit­zen­den der SPD-Stadt­rats­frak­ti­on und Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer, sich wegen einer Wahl­kampf­spen­de an den Abfall­un­ter­neh­mer Tri­en­ekens zu wen­den. Tri­en­ekens zahl­te auf die ent­spre­chen­de Bit­te an Rüt­her einen Betrag von ins­ge­samt 150.000 DM in bar, der für Wahl­kampf­kos­ten und sons­ti­ge par­tei­po­li­ti­sche Zwe­cke ver­wen­det wur­de. Ohne dass dar­über aus­drück­lich gespro­chen wor­den war, war den drei Betei­lig­ten klar, dass Tri­en­ekens mit die­ser Zah­lung das Ziel ver­folg­te, die bei­den Ange­klag­ten dahin zu bestim­men, sich nach der Wahl für eine Teil­pri­va­ti­sie­rung der Köl­ner Müll­ab­fuhr unter Betei­li­gung eines sei­ner Unter­neh­men ein­zu­set­zen.

Der Ange­klag­te Dr. Heu­gel leg­te jedoch im Sep­tem­ber 1999 im Hin­blick auf in ande­ren Zusam­men­hän­gen laut gewor­de­ne straf­recht­lich rele­van­te Vor­wür­fe sein Amt als Ober­stadt­di­rek­tor nie­der und trat von der Kan­di­da­tur für das Ober­bür­ger­meis­ter­amt zurück. Die Wahl zum Ober­bür­ger­meis­ter gewann dar­auf über­ra­schend der Kan­di­dat der CDU.

Das Land­ge­richt Köln hat die Tat des Ange­klag­ten Dr. Heu­gel als Bestech­lich­keit gemäß § 332 StGB und die Tat des Ange­klag­ten Rüt­her als Bei­hil­fe hier­zu in Tat­ein­heit mit (pas­si­ver) Abge­ord­ne­ten­be­stechung gemäß § 108e StGB gewür­digt. Dass bei­de Ange­klag­te ins­ge­heim beab­sich­tigt hät­ten, sich bei einer spä­te­ren Ent­schei­dung über die Pri­va­ti­sie­rung ent­ge­gen dem von ihnen erweck­ten Ein­druck von der Gewäh­rung der Spen­de nicht beein­flus­sen zu las­sen, ste­he der Straf­bar­keit nach § 332 Abs. 3 StGB nicht ent­ge­gen.

Gegen das Urteil hat der Ange­klag­te Dr. Heu­gel erneut Revi­si­on ein­ge­legt und die­se auf die Sach­rü­ge sowie auf ver­schie­de­ne Ver­fah­rens­rügen gestützt. Der 2. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die­se Revi­si­on jetzt als unbe­grün­det ver­wor­fen. Die Ver­ur­tei­lun­gen sind damit ins­ge­samt rechts­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juli 2009 – 2 StR 54/​09
Land­ge­richt Köln – Urteil vom 7. August 2008 – 106 – 16/​06