Die Betei­li­gung an einer Delikts­se­rie

Sind an einer Delikt­se­rie meh­re­re Per­so­nen als Mit­tä­ter, mit­tel­ba­re Täter, Anstif­ter oder Gehil­fen betei­ligt, ist die Fra­ge, ob die ein­zel­nen Taten tat­ein­heit­lich oder tat­mehr­heit­lich zusam­men­tref­fen, bei jedem Betei­lig­ten geson­dert zu prü­fen und zu ent­schei­den.

Die Betei­li­gung an einer Delikts­se­rie

Maß­geb­lich ist dabei der Umfang des erbrach­ten Tat­bei­trags:

  1. Leis­tet ein Mit­tä­ter für alle oder eini­ge Ein­zel­ta­ten einen indi­vi­du­el­len, nur die­se för­dern­den Tat­bei­trag, so sind ihm die­se Taten – soweit kei­ne natür­li­che Hand­lungs­ein­heit vor­liegt – als tat­mehr­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen.
  2. Fehlt es an einer sol­chen indi­vi­du­el­len Tat­för­de­rung, erbringt der Täter aber im Vor­feld oder wäh­rend des Laufs der Delikt­se­rie Tat­bei­trä­ge, durch die alle oder meh­re­re Ein­zel­ta­ten sei­ner Tat­ge­nos­sen gleich­zei­tig geför­dert wer­den, sind ihm die gleich­zei­tig geför­der­ten ein­zel­nen Straf­ta­ten als tat­ein­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen, da sie in sei­ner Per­son durch den ein­heit­li­chen Tat­bei­trag zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft wer­den.

Ohne Bedeu­tung ist dabei, ob die Mit­tä­ter die ein­zel­nen Delik­te tat­mehr­heit­lich began­gen haben1. Lässt sich nicht fest­stel­len, durch wie­vie­le Hand­lun­gen im Sin­ne der §§ 52, 53 StGB der Ange­klag­te die fest­ge­stell­ten Taten geför­dert hat, so ist im Zwei­fel zu sei­nen Guns­ten davon aus­zu­ge­hen, dass er nur eine Hand­lung began­gen hat2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. April 2019 – 2 StR 118/​19

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 30.07.2013 – 4 StR 29/​13, NStZ 2013, 641 m. Anm. Kämp­fer; Beschluss vom 22.12 2011 – 4 StR 514/​11, wis­tra 2012, 146, 147; Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 182 f.
  2. BGH, Beschluss vom 19.11.1996 – 1 StR 572/​96, BGHR StGB § 52 Abs. 1 in dubio pro reo 7