Die betro­ge­ne Pro­sti­tu­ier­te

Die von einer Pro­sti­tu­ier­ten auf­grund einer vor­he­ri­gen Ver­ein­ba­rung erbrach­ten sexu­el­len Hand­lun­gen und die dadurch begrün­de­te For­de­rung auf das ver­ein­bar­te Ent­gelt (§ 1 Satz 1 ProstG) gehö­ren zum straf­recht­lich geschütz­ten Ver­mö­gen 1.

Die betro­ge­ne Pro­sti­tu­ier­te

Zum straf­recht­lich durch § 263 StGB geschütz­ten Ver­mö­gen gehö­ren auch die von einer Pro­sti­tu­ier­ten erbrach­ten sexu­el­len Leis­tun­gen als sog. Domi­na. Zwar wer­den Rechts­ge­schäf­te über die Erbrin­gung sexu­el­ler Leis­tun­gen gegen Ent­gelt nach wie vor wegen Ver­sto­ßes gegen die guten Sit­ten gemäß § 138 Abs. 1 StGB als nich­tig erach­tet 2. Aller­dings bestimmt § 1 Satz 1 ProstG – inso­weit als Aus­nah­me­re­ge­lung zu § 138 BGB 3 –, dass eine rechts­wirk­sa­me For­de­rung einer Pro­sti­tu­ier­ten auf das für die sexu­el­len Leis­tun­gen ver­ein­bar­te Ent­gelt ent­steht, wenn, wie vor­lie­gend fest­ge­stellt, die ver­ab­re­de­te Leis­tung von ihr erbracht wor­den ist 4. Ange­sichts die­ser gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung muss bereits den in Erfül­lung ein­ge­gan­ge­ner Ver­ab­re­dun­gen und in Erwar­tung des ver­ein­bar­ten Ent­gelts erbrach­ten sexu­el­len Leis­tun­gen ein betrugs­straf­recht­lich rele­van­ter wirt­schaft­li­cher Wert zuge­mes­sen wer­den. Zahlt der Frei­er, wie hier der Ange­klag­te, ent­spre­chend der bereits bei Ein­ge­hen des Geschäfts bestehen­den Wil­lens­rich­tung das ver­ein­bar­te Ent­gelt nicht, fehlt es an einer Kom­pen­sa­ti­on für die Leis­tun­gen.

Im Hin­blick auf die durch § 1 Satz 1 ProstG her­bei­ge­führ­te Geset­zes­la­ge bedarf es kei­ner Anfra­ge an den 2. und den 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs, ob die­se an ihrer vor Inkraft­tre­ten des ProstG ergan­ge­nen Recht­spre­chung 5 fest­hal­ten wür­den. An eige­ner ent­ge­gen­ste­hen­der Recht­spre­chung 6 hiel­te der Bun­des­ge­richts­hof wegen der durch § 1 Satz 1 ProstG geschaf­fe­nen Rechts­la­ge eben­falls nicht fest.

Sodann erach­tet es der Bun­des­ge­richts­hof für recht­lich unbe­denk­lich, den Wert der über einen Zeit­raum von knapp zwei Tagen erbrach­ten sexu­el­len Diens­te auf der Grund­la­ge der Par­tei­ver­ein­ba­rung fest­zu­le­gen. Ein von der Par­tei­ver­ein­ba­rung unab­hän­gi­ger Markt­wert dürf­te sich ange­sichts der durch die Urteils­fest­stel­lun­gen nahe geleg­ten beson­de­ren sexu­el­len Diens­te über einen län­ge­ren Zeit­raum ohne­hin nicht ohne wei­te­res zu ermit­teln sein. Es erscheint fern­lie­gend, dass sich etwa durch Hoch­rech­nung von "markt­üb­li­chen" Stun­den­prei­sen für Domi­na-Diens­te auf den Gesamt­zeit­raum der von der Geschä­dig­ten erbrach­ten Leis­tun­gen deren wirt­schaft­li­cher Wert am Markt prä­zi­ser bestim­men lie­ße als durch die Fest­le­gung von der Par­tei­ver­ein­ba­rung her.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Febru­ar 2016 – – 1 StR 435/​15

  1. Anschluss an BGH, Beschluss vom 18.01.2011 – 3 StR 467/​10, NStZ 2011, 278 f.[]
  2. Palandt/​Ellenberger, BGB, 75. Aufl., Anh. zu § 138 [§ 1 ProstG]; sie­he auch BGH, Beschlüs­se vom 21.07.2015 – 3 StR 104/​15, NStZ 2015, 699 f.; und vom 18.01.2011 – 3 StR 467/​10, NStZ 2011, 278[]
  3. Arm­brüs­ter in Münch­Komm-BGB, 7. Aufl., Anh. zu § 138, ProstG § 1 Rn. 9[]
  4. vgl. jeweils BGH aaO[]
  5. BGH, Urteil vom 09.10.1953 – 2 StR 402/​53, BGHSt 4, 373 sowie Beschluss vom 28.04.1987 – 5 StR 566/​86, NStZ 1987, 407[]
  6. BGH, Beschluss vom 20.12 1988 – 1 StR 654/​88[]