Die Beweis­wür­di­gung des Tatrich­ters – und die Urteils­grün­de

Die Beweis­wür­di­gung ist Sache des Tatrich­ters. Ihm obliegt es, das Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen1.

Die Beweis­wür­di­gung des Tatrich­ters – und die Urteils­grün­de

Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen brau­chen nicht zwin­gend zu sein, es genügt, dass sie mög­lich sind. Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung beschränkt sich allein dar­auf, ob dem Tatrich­ter Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Das ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt. Ins­be­son­de­re sind die Bewei­se erschöp­fend zu wür­di­gen. Das Urteil muss erken­nen las­sen, dass der Tatrich­ter sol­che Umstän­de, die geeig­net sind, die Ent­schei­dung zu Guns­ten oder zu Unguns­ten des Ange­klag­ten zu beein­flus­sen, erkannt und in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen hat.

Aus den Urteils­grün­den muss sich fer­ner erge­ben, dass die ein­zel­nen Beweis­ergeb­nis­se nicht nur iso­liert gewer­tet, son­dern in eine umfas­sen­de Gesamt­wür­di­gung ein­ge­stellt wur­den2.

Die­sen Anfor­de­run­gen wird ein Urteil nicht gerecht, des­sen Urteils­grün­de kei­ner­lei Aus­füh­run­gen zu den Beweis­er­wä­gun­gen erhal­ten, die für das Land­ge­richt bei sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung zur sub­jek­ti­ven Tat­sei­te maß­geb­lich gewe­sen sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Juli 2018 – 4 StR 603/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 07.10.1966 – 1 StR 305/​66, BGHSt 21, 149, 151
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 07.06.1979 – 4 StR 441/​78, BGHSt 29, 18, 20; Urtei­le vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148; vom 14.09.2017 – 4 StR 45/​17, StV 2018, 199; vom 26.04.2018 – 4 StR 364/​17 Rn. 5; Fran­ke in Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 337 Rn. 117 ff. mwN