Die rechts­wid­ri­ge Durch­su­chungs­an­ord­nung – und kein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot

Aus der blo­ßen Unzu­läs­sig­keit oder Rechts­wid­rig­keit einer Beweis­erhe­bung folgt nicht ohne Wei­te­res ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot 1.

Die rechts­wid­ri­ge Durch­su­chungs­an­ord­nung – und kein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot

Inso­weit gehen die Straf­ge­rich­te in gefes­tig­ter, will­kürfrei­er Recht­spre­chung davon aus, dass dem Straf­ver­fah­rens­recht ein all­ge­mein gel­ten­der Grund­satz, dass jeder Ver­stoß gegen Beweis­erhe­bungs­vor­schrif­ten ein straf­pro­zes­sua­les Ver­wer­tungs­ver­bot nach sich zieht, fremd ist, und dass die Fra­ge jeweils nach den Umstän­den des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re nach der Art des Ver­bots und dem Gewicht des Ver­sto­ßes unter Abwä­gung der wider­strei­ten­den Inter­es­sen zu ent­schei­den ist. Ins­be­son­de­re die will­kür­li­che Annah­me von Gefahr im Ver­zug oder das Vor­lie­gen eines beson­ders schwer­wie­gen­den Feh­lers kön­nen danach ein Ver­wer­tungs­ver­bot nach sich zie­hen 2.

Die Beur­tei­lung der Fra­ge, wel­che Fol­gen ein mög­li­cher Ver­stoß gegen straf­pro­zes­sua­le Ver­fah­rens­vor­schrif­ten hat und ob hier­zu ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot zählt, obliegt dabei in ers­ter Linie den zustän­di­gen Fach­ge­rich­ten, so dass ein Ein­grei­fen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nur gerecht­fer­tigt ist, wenn Ver­fas­sungs­recht ver­letzt wur­de 3.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2018 – 2 BvR 708/​18

  1. vgl. BVerfGK 9, 174, 196; BVerfG, Beschluss vom 27.04.2000 – 2 BvR 1990/​96 8; BVerfG, Beschluss vom 02.07.2009 – 2 BvR 2225/​08 15 m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 28.07.2008 – 2 BvR 784/​08 9 m.w.N.; BVerfG, Beschluss vom 02.07.2009 – 2 BvR 2225/​08 16 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfGK 4, 283, 285; 9, 174, 196; BVerfG, Beschluss vom 28.07.2008 – 2 BvR 784/​08 9 m.w.N.[]
  4. vgl. BVerfGE 50, 287, 289 f.[]