Die ver­such­te Ein­fluss­nah­me auf einen Zeu­gen

Es ist recht­lich unbe­denk­lich, dass die Straf­kam­mer die fest­ge­stell­te ver­such­te Ein­fluss­nah­me des Ange­klag­ten über einen Drit­ten auf den Zeu­gen wäh­rend lau­fen­der Haupt­ver­hand­lung als ein den Ange­klag­ten belas­ten­des Indiz bewer­tet hat.

Die ver­such­te Ein­fluss­nah­me auf einen Zeu­gen

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der in Unter­su­chungs­haft genom­me­ne Ange­klag­te aus­weis­lich der Fest­stel­lun­gen ver­sucht, den auf frei­em Fuß befind­li­chen Mit­an­ge­klag­ten B. vor der für den Fol­ge­tag vor­ge­se­he­nen Ver­neh­mung des Belas­tungs­zeu­gen Ka. dazu zu bestim­men, auf die­sen Zeu­gen bzw. den Inhalt sei­ner Aus­sa­ge "in unlau­te­rer Wei­se Ein­fluss zu neh­men" ("Rede mit ihm; er soll kei­nen Blöd­sinn machen.").

Zwar ent­hiel­te die­se Beweis­er­wä­gung Ele­men­te eines Zir­kel­schlus­ses, wenn sie gedank­lich bereits vor­aus­setz­te, was erst zu bewei­sen wäre, dass der Ange­klag­te die Tat tat­säch­lich began­gen hät­te 1. In die­sem Sin­ne ver­steht der Bun­des­ge­richts­hof die von der Straf­kam­mer ersicht­lich als ein die übri­gen Beweis­er­wä­gun­gen abrun­den­des Indiz ange­führ­te Erwä­gung jedoch nicht. Dass die Straf­kam­mer hier die ver­such­te Ein­wir­kung auf den Zeu­gen als ein die Gren­zen zuläs­si­gen Ver­tei­di­gungs­ver­hal­tens ein­deu­tig über­schrei­ten­des und auf eine "unlau­te­re" Ein­fluss­nah­me auf den Belas­tungs­zeu­gen zie­len­des Ver­hal­ten des Ange­klag­ten ange­se­hen hat, ist von Rechts wegen nicht zu bean­stan­den, son­dern hält sich im Rah­men des tatrich­ter­li­chen Wer­tungs­spiel­raums. Die Straf­kam­mer hat die­se Wür­di­gung nicht nur auf den Inhalt der Äuße­rung, son­dern auf das damit in Zusam­men­hang ste­hen­de Ver­hal­ten des Ange­klag­ten in der Haupt­ver­hand­lung gestützt. Die­ser hat­te geleug­net, dass sei­ne Auf­for­de­rung über­haupt dahin zu ver­ste­hen sei, dass der Mit­an­ge­klag­te auf den Belas­tungs­zeu­gen Ein­fluss neh­men sol­le. So hat­te er zunächst behaup­tet, sei­ne Äuße­rung sei auf den Mit­an­ge­klag­ten und des­sen Ver­hal­ten in der Haupt­ver­hand­lung bezo­gen gewe­sen. Nach­dem der Mit­an­ge­klag­te dies nicht bestä­tigt hat­te, hat der Ange­klag­te behaup­tet, sei­ne Äuße­rung sei auf "sei­ne Ehe­frau und den Wunsch" bezo­gen, dass die­se sich "um das Kind küm­mern" sol­le. Auch die­se Ver­si­on hat die Straf­kam­mer trag­fä­hig wider­legt. Vor die­sem Hin­ter­grund begeg­net weder die Annah­me einer ver­such­ten unlau­te­ren Ein­fluss­nah­me noch deren Wür­di­gung als ein den Ange­klag­ten belas­ten­des Indiz recht­li­chen Beden­ken, zumal die­se Wür­di­gung zu dem fest­ge­stell­ten Vor­ver­hal­ten des Ange­klag­ten passt; die­ser hat­te sei­ne Täter­schaft nach der Tat gegen­über Drit­ten offen ein­ge­räumt, aber für den Fall der Namens­nen­nung gegen­über den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den mit Kon­se­quen­zen gedroht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Juni 2017 – 2 StR 92/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.12 2004 – 2 StR 441/​04, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung 32[]