Die Ein­las­sung des Ange­klag­ten – und ihre Bewer­tung

Die tatrich­ter­li­chen Beweis­er­wä­gun­gen sind lücken­haft, wenn der Tatrich­ter die Ein­las­sung des Ange­klag­ten in der Haupt­ver­hand­lung nicht auf ihre Plau­si­bi­li­tät über­prüft und in Bezug zu sei­nen frü­he­ren Bekun­dun­gen setzt.

Die Ein­las­sung des Ange­klag­ten – und ihre Bewer­tung

Dabei greift die Annah­me, dass die Ein­las­sung des Ange­klag­ten unter­stellt wer­den müs­se und nur dann wider­legt wer­den kön­ne, wenn gegen­tei­li­ge Anhalts­punk­te vor­lie­gen, zu kurz.

An die Bewer­tung der Ein­las­sung des Ange­klag­ten sind die glei­chen Anfor­de­run­gen zu stel­len wie an die Beur­tei­lung sons­ti­ger Beweis­mit­tel [1].An die Bewer­tung der Ein­las­sung des Ange­klag­ten sind die glei­chen Anfor­de­run­gen zu stel­len wie an die Beur­tei­lung sons­ti­ger Beweis­mit­tel [1].

Der Tatrich­ter hat sich auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung des Ergeb­nis­ses der Beweis­auf­nah­me sei­ne Über­zeu­gung von der Rich­tig­keit oder Unrich­tig­keit der Ein­las­sung zu bil­den [2].

Dabei kann ein Wech­sel der Anga­ben im Ver­lau­fe des Ver­fah­rens ein Indiz für die Unrich­tig­keit der Ein­las­sung in der Haupt­ver­hand­lung sein und ihre Bedeu­tung für die Beweis­wür­di­gung ver­rin­gern oder unter Umstän­den ganz ent­fal­len las­sen [3].

Im Hin­blick auf die Mög­lich­keit einer Anpas­sung der Ein­las­sung an die Ergeb­nis­se der Beweis­auf­nah­me kann auch der Zeit­punkt, zu dem sich ein Ange­klag­ter zur Sache ein­lässt, ein Umstand sein, der im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung gegen die Glaub­haf­tig­keit der Ein­las­sung spre­chen kann [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2017 – 2 StR 110/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 01.02.2017 – 2 StR 78/​16, NStZ-RR 2017, 183, 184[][]
  2. BGH, Urteil vom 06.11.2003 – 4 StR 270/​03, NStZ-RR 2004, 88; Urteil vom 06.03.1986 – 4 StR 48/​86, BGHSt 34, 29, 34[]
  3. BGH, Urteil vom 16.08.1995 – 2 StR 94/​95, BGHR StPO § 261 Ein­las­sung 6[]
  4. BGH, Urteil vom 01.02.2017 – 2 StR 78/​16, NStZ-RR 2017, 183, 184[]