Die fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung mit dem Poli­zei-Schlag­stock

Das Ober­lan­des­ge­richt Stut­gart hat die Revi­si­on eines Poli­zei­be­am­ten ver­wor­fen, der wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung im Zusam­men­hang mit den Stutt­gar­ter Schloss­gar­ten-Demons­tra­tio­nen zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den war.

Die fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung mit dem Poli­zei-Schlag­stock

Der Beam­te war am 30. Sep­tem­ber 2010 als Füh­rer einer Grup­pe der Bereit­schafts­po­li­zei im Mitt­le­ren Schloss­gar­ten in Stutt­gart ein­ge­setzt. Der Geschä­dig­te, der nur vor­bei­lau­fen woll­te, wur­de zunächst in zuläs­si­ger Wei­se von dem Beam­ten abge­drängt, blieb ste­hen und woll­te die­sen des­halb zur Rede stel­len. Der Poli­zei­be­am­te nahm irrig an, der Geschä­dig­te wol­le ihn angrei­fen und for­der­te ihn auf weg­zu­ge­hen. Ohne wei­te­res Abwar­ten hol­te er mit sei­nem Schlag­stock aus und ver­letz­te den vor ihm ste­hen­den Geschä­dig­ten am Ober­arm und lin­ken Brust­korb.

Das Land­ge­richt Stutt­gart hat den Beam­ten im Hin­blick auf den Irr­tum über die Vor­aus­set­zun­gen einer Not­wehr­la­ge (die­ser schließt gemäß § 16 StGB vor­sätz­li­ches Ver­hal­ten aus) wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung gemäß § 229 StGB zu einer Geld­stra­fe von 90 Tages­sät­zen zu je 60 €, ins­ge­samt also 5.400 € ver­ur­teilt1. Der Ange­klag­te hat die recht­li­che Bewer­tung des Land­ge­richts Stutt­gart hin­ge­nom­men, jedoch wegen der ver­häng­ten Geld­stra­fe eine auf den Rechts­fol­gen­aus­spruch beschränk­te Revi­si­on ein­ge­legt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat die­se Revi­si­on nun als unbe­grün­det ver­wor­fen: Die Ent­schei­dung des Land­ge­richts sei revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Urteils­be­grün­dung las­se erken­nen, dass das Land­ge­richts das Tat­bild durch die fest­ge­stell­te Stress­si­tua­ti­on, aber auch durch die beson­de­re Pflich­ten­stel­lung des Ange­klag­ten als erfah­re­nem Poli­zei­be­am­ten, des­sen vor­werf­bar feh­len­de Sorg­falt in der Beur­tei­lung eines ihm ver­meint­lich dro­hen­den Angriffs und die nicht uner­heb­li­chen kör­per­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen des Geschä­dig­ten geprägt sieht. Dar­in lie­ge kein Rechts­feh­ler in der Straf­zu­mes­sung.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2013 – 2 Ss 429/​13

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 18.04.2013 – 36 Ns 8 Js 29621/​11 []