Die feh­len­de Erin­ne­rung der ein­zi­gen Tat­zeu­gin

Eine feh­len­de Erin­ne­rung des Tat­op­fers in der Haupt­ver­hand­lung schließt eine Ver­ur­tei­lung nicht aus, etwa wenn die Geschä­dig­te die Tat zuvor ande­ren Zeu­gen gegen­über geschil­dert hat.

Die feh­len­de Erin­ne­rung der ein­zi­gen Tat­zeu­gin

Die Annah­me, dass den­noch kei­ne Beweis­mit­tel für die ange­klag­te Tat zur Ver­fü­gung stün­den, weil ent­schei­dend allein die Erin­ne­rung der Zeu­gin in der Haupt­ver­hand­lung sei, ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof betont, rechts­feh­ler­haft.

Der Tatrich­ter ist nach § 261 StPO ver­pflich­tet, die erho­be­nen Bewei­se zu wür­di­gen und zu prü­fen, ob er an sich mög­li­che Zwei­fel über­win­den und sich von einem bestimm­ten Sach­ver­halt über­zeu­gen kann oder nicht. Eine Bin­dung an Beweis­re­geln besteht nicht 1.

Das hat­te die Straf­kam­mer vor­lie­gend ver­kannt und damit die Prü­fung ver­säumt, ob sie sich – auch ohne dass die Zeu­gin in der Haupt­ver­hand­lung die Tat wie ange­klagt geschil­dert hat – auf­grund der erwähn­ten Zeu­gen­aus­sa­gen die Über­zeu­gung ver­schaf­fen konn­te, dass der Ange­klag­te die ihm ange­las­te­te Tat began­gen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2016 – 3 StR 454/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 07.06.1979 – 4 StR 441/​78, BGHSt 29, 18, 20; vom 13.02.1998 – 3 StR 448/​97, NStZ-RR 1998, 267; vom 04.09.2014 – 1 StR 341/​14, NStZ 2015, 98101; Urteil vom 09.04.2015 – 4 StR 401/​14, NStZ 2015, 464, 465[]