Die feh­ler­haf­te rich­ter­li­che Ver­neh­mung

Feh­ler­haft zustan­de gekom­me­ne rich­ter­li­che Ver­neh­mun­gen, die wegen eines Ver­sto­ßes gegen § 168c StPO nicht ver­wer­tet wer­den kön­nen, dür­fen als nicht­rich­ter­li­che Ver­neh­mung in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt wer­den 1.

Die feh­ler­haf­te rich­ter­li­che Ver­neh­mung

Vor­aus­set­zung hier­für ist, dass die Anfor­de­run­gen des § 251 Abs. 1 StPO erfüllt sind, dass der Tatrich­ter sich des min­de­ren Beweis­wer­tes bewusst ist 2 und dass die­ser die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten auf die beab­sich­tig­te Ver­wer­tung als nicht­rich­ter­li­che Ver­neh­mung gemäß § 265 StPO hin­ge­wie­sen hat 3.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lagen im hier ent­schie­de­nen Fall vor: Die Anfor­de­run­gen an die Erset­zung der per­sön­li­chen Ver­neh­mung des Neben­klä­gers durch die Vor­füh­rung der Bild­Ton­Auf­zeich­nung als nicht­rich­ter­li­che Ver­neh­mung gemäß §§ 255a Abs. 1, 251 Abs. 1 Nr. 3 StPO sind erfüllt. Da die Erzie­hungs­be­rech­tig­ten des Tat­op­fers des­sen Ein­ver­nah­me wegen befürch­te­ter psy­chi­scher Beein­träch­ti­gun­gen end­gül­tig ver­wei­ger­ten, konn­te es "aus einem ande­ren Grun­de" im Sin­ne von § 251 Abs. 1 Nr. 3 StPO in abseh­ba­re­rer Zeit gericht­lich nicht ver­nom­men wer­den 4. Das Land­ge­richt war sich des min­de­ren Beweis­wer­tes einer nicht­rich­ter­li­chen Ver­neh­mung aus­weis­lich der Urteils­grün­de bewusst.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. April 2019 – 4 StR 16/​19

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.12 1992 – 1 StR 759/​92, BGHR § 244 Abs. 3 Satz 2 Uner­reich­bar­keit 15; und vom 31.01.2001 – 3 StR 237/​00 6 mwN; MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 62. Aufl., § 251 Rn. 15; KKStPO/​Diemer, 8. Aufl., § 251 Rn.19[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 09.07.1997 – 5 StR 234/​96, NStZ 1998, 312, 313; Beschluss vom 27.01.2005 – 1 StR 495/​04 6[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.07.1997 – 5 StR 234/​96, aaO[]
  4. vgl. LRStPO/​Sander/​Cirener, 26. Aufl., § 251 Rn. 32; KKStPO/​Diemer, 8. Aufl., § 251 Rn. 25; MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 62. Aufl., § 251 Rn. 21; jeweils mwN[]