Die Fest­set­zung der Gesamt­stra­fe – und die vor­läu­fig ein­ge­stell­ten Straf­ta­ten

Die Fest­set­zung der Gesamt­stra­fe inner­halb der durch § 54 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 StGB gezo­ge­nen Gren­zen ist ein eigen­stän­di­ger Straf­zu­mes­sungs­vor­gang, der den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des § 46 StGB unter­liegt1.

Die Fest­set­zung der Gesamt­stra­fe – und die vor­läu­fig ein­ge­stell­ten Straf­ta­ten

Gemäß § 46 Abs. 2 Satz 1 StGB hat der Tatrich­ter bei der Straf­zu­mes­sung die für und gegen den Täter spre­chen­den Umstän­de gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Bei der Fest­stel­lung und Bewer­tung von Straf­zu­mes­sungs­tat­sa­chen kann der Tatrich­ter grund­sätz­lich auch straf­ba­re Hand­lun­gen ermit­teln und wür­di­gen, die nach § 154 StPO ein­ge­stellt wor­den sind. Eine straf­schär­fen­de Berück­sich­ti­gung sol­cher vor­läu­fig ein­ge­stell­ter Taten setzt aber vor­aus, dass die­se in der Haupt­ver­hand­lung pro­zess­ord­nungs­ge­mäß fest­ge­stellt sind und zur Über­zeu­gung des Tat­ge­richts fest­ste­hen2.

Die­sen Anfor­de­run­gen genü­gen die Urteils­grün­de in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall nicht. Das Land­ge­richt hat nur pau­schal fest­ge­stellt, dass der Ange­klag­te in der Zeit zwi­schen dem 7.03.2015 und dem 12.10.2015 in wei­te­ren 47 Fäl­len min­des­tens 20 und maxi­mal 500 Stan­gen Ziga­ret­ten in einer Gesamt­lie­fer­men­ge von 7.726 Stan­gen ange­kauft hat, ohne dass aber wei­te­re kon­kre­te Fest­stel­lun­gen zu den nach § 154 Abs. 2 StPO vor­läu­fig ein­ge­stell­ten 39 Ein­zel­ta­ten getrof­fen wer­den. Sol­che Fest­stel­lun­gen wer­den nur in Bezug auf die zur Abur­tei­lung gelang­ten acht Ein­zel­ta­ten getrof­fen.

Ergän­zend weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass gera­de bei began­ge­nen Steu­er­straf­ta­ten bei der Bemes­sung der Gesamt­stra­fe der ins­ge­samt ent­stan­de­ne steu­er­li­che Ver­kür­zungs­um­fang beson­ders in den Blick zu neh­men ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2018 – 1 StR 407/​18

  1. BGH, Beschluss vom 31.07.2013 – 4 StR 217/​13, Stra­Fo 2013, 477 []
  2. BGH, Beschlüs­se vom 18.03.2015 – 2 StR 54/​15, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Vor­le­ben 33 Rn. 4; und vom 12.09.2012 – 5 StR 425/​12, wis­tra 2012, 470 Rn. 3 mwN []