Die Fol­gen eines Fuß­ball-Fan­mar­sches

Wer an einem Fuß­ball-Fan­marsch teil­nimmt, kann nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg den objek­ti­ven Tat­be­stand des § 118 OWiG (Beläs­ti­gung der All­ge­mein­heit) erfül­len.

Die Fol­gen eines Fuß­ball-Fan­mar­sches

So das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg im hier vor­lie­gen­den Fall eines 18-Jäh­ri­gen Fuß­ball­fan des VfL Osna­brück, der an einem nicht geneh­mig­ten Fan­marsch quer durch die Osna­brü­cker Innen­stadt teil­nahm und sich gegen die vom Amts­ge­richt Osna­brück ver­häng­te Geld­bu­ße mit der Rechts­be­schwer­de beim Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg gewehrt hat. Der Fan­marsch fand am 23. August 2014 statt, wäh­rend die Fuß­gän­ger­zo­ne belebt war und auf einem angren­zen­den Platz der Wochen­markt statt­fand. Anlass des Mar­sches war ein Heim­spiel des VfL Osna­brück gegen den Riva­len SC Preu­ßen Müns­ter. Die Osna­brü­cker Fuß­ball­fans skan­dier­ten laut­stark Paro­len wie "Tod und Hass dem SCP" und "Wollt ihr Ver­län­ge­rung? Nein! Wollt ihr Elf­me­ter­schie­ßen? Nein! Was wollt ihr denn? Preu­ßen­blut! Preu­ßen­blut!". Ins­be­son­de­re älte­re Pas­san­ten fühl­ten sich hier­durch ver­un­si­chert und spra­chen die Poli­zei dar­auf an.

Das Amts­ge­richt Osna­brück 1 ver­ur­teil­te den 18-Jäh­ri­gen wegen eines Ver­sto­ßes gegen § 118 OWiG zu einer Geld­bu­ße von 100,-€. Nach § 118 OWiG han­delt ord­nungs­wid­rig, wer eine grob unge­hö­ri­ge Hand­lung vor­nimmt, die geeig­net ist, die All­ge­mein­heit zu beläs­ti­gen oder zu gefähr­den und die öffent­li­che Ord­nung zu beein­träch­ti­gen. Gegen das Urteil des Amts­ge­richts leg­te der 18-Jäh­ri­ge Rechts­be­schwer­de beim Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg ein. Er mach­te u.a. gel­tend, dass der Tat­be­stand des § 118 OWiG nicht erfüllt sei und der Fan­marsch unter den Schutz des Ver­samm­lungs­ge­set­zes fal­le.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg erfül­le die Teil­nah­me an dem Fan­marsch den objek­ti­ven Tat­be­stand des § 118 OWiG. Durch das Skan­die­ren der Hass­pa­ro­len hät­ten die VfL-Fans die aner­kann­ten Regeln von Sit­te, Anstand und Ord­nung in erheb­li­cher Wei­se ver­letzt sowie die All­ge­mein­heit beläs­tigt. Das laut­star­ke Skan­die­ren hass­erfüll­ter Inhal­te wider­spre­che den Anfor­de­run­gen, die an ein gedeih­li­ches Zusam­men­le­ben zu stel­len sei­en, und beein­träch­ti­ge die öffent­li­che Ord­nung.

Der Betrof­fe­ne kön­ne sich nicht auf den Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit beru­fen. Arti­kel 8 GG schüt­ze nur Ver­samm­lun­gen und Auf­zü­ge, die Aus­druck gemein­schaft­li­cher, auf Kom­mu­ni­ka­ti­on ange­leg­ter Ent­fal­tung sei­en. Erfor­der­lich sei, dass die Zusam­men­kunft auf die Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung gerich­tet sei. Davon kön­ne bei dem Fan­marsch kei­ne Rede sein. Die­ser habe nicht den Zweck ver­folgt, Stel­lung zu neh­men und Posi­ti­on zu bezie­hen.

Aller­dings set­ze § 118 OWiG ein vor­sätz­li­ches Han­deln vor­aus. Dazu habe das Amts­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall noch kei­ne aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen getrof­fen. Aus die­sem Grund hat das Ober­lan­des­ge­richt das Urteil des Amts­ge­richts Osna­brück im Schuld­spruch bezüg­lich des sub­jek­ti­ven Tat­be­stan­des und im Rechts­fol­gen­aus­spruch auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Amts­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2015 – 2 Ss (OWi) 163/​15

  1. AG Osna­brück, Urteil vom 17.04.2015 – 241 OWi 90/​15[]