Die gemein­schaft­lich began­ge­ne gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung

Den Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand des § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB ver­wirk­licht, wer die Tat mit einem ande­ren Betei­lig­ten gemein­schaft­lich begeht.

Die gemein­schaft­lich began­ge­ne gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung

Weder Eigen­hän­dig­keit noch Mit­tä­ter­schaft wird vor­aus­ge­setzt; aus­rei­chend ist viel­mehr schon das gemein­sa­me Wir­ken eines Täters und eines Gehil­fen bei der Bege­hung der Kör­per­ver­let­zung1.

Dies folgt aus dem Sinn und Zweck des Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stan­des des § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB, wonach durch ein sol­ches Zusam­men­wir­ken – nicht anders als durch mit­tä­ter­schaft­li­che Bege­hung – eine ver­stärk­te Gefähr­lich­keit der Kör­per­ver­let­zung für das Opfer begrün­det wird2.

Aller­dings ist eine gemein­schaft­li­che Bege­hung in die­ser Betei­li­gungs­form regel­mä­ßig erst dann anzu­neh­men, wenn der am Tat­ort anwe­sen­de Gehil­fe die Wir­kung der Kör­per­ver­let­zungs­hand­lung des Täters – phy­sisch oder psy­chisch3 – bewusst in einer Wei­se ver­stärkt, wel­che die Lage des Ver­letz­ten zu ver­schlech­tern geeig­net ist.

Dies wird in der Regel vor allem durch eine Schwä­chung der Abwehr­mög­lich­kei­ten ver­wirk­licht, wenn das Opfer durch die Prä­senz meh­re­rer Per­so­nen auf der Ver­let­zer­sei­te ins­be­son­de­re auch wegen des erwar­te­ten Ein­grei­fens des oder der ande­ren Betei­lig­ten in sei­nen Chan­cen beein­träch­tigt wird, dem Täter der Kör­per­ver­let­zung Gegen­wehr zu leis­ten, ihm aus­zu­wei­chen oder zu flüch­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. April 2016 – 2 StR 394/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2002 – 5 StR 210/​02, BGHSt 47, 383, 386; Beschluss vom 08.03.2016 – 3 StR 524/​15, NStZ-RR 2016, 139
  2. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2002 – 5 StR 210/​02, BGHSt 47, 383, 386
  3. vgl. BGH, Urteil vom 22.12 2005 – 4 StR 347/​05, NStZ 2006, 572, 573