Die in die Mut­ter­spra­che über­setz­te Rechts­mit­tel­be­leh­rung – und die Wie­der­ein­set­zung

Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand ist dem­je­ni­gen zu gewäh­ren, der ohne Ver­schul­den ver­hin­dert war, eine Frist ein­zu­hal­ten (§ 44 Satz 1 StPO). Der Antrag ist bin­nen einer Woche nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses zu stel­len (§ 45 Abs. 1 Satz 1 StPO).

Die in die Mut­ter­spra­che über­setz­te Rechts­mit­tel­be­leh­rung – und die Wie­der­ein­set­zung

Die für die Gewäh­rung der Wie­der­ein­set­zung erfor­der­li­chen Anga­ben sind eben­so wie ihre Glaub­haft­ma­chung Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen des Antrags 1.

Dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen sind auch die­je­ni­gen Umstän­de, aus denen sich ergibt, dass der Antrag­stel­ler ohne eige­nes Ver­schul­den gehin­dert war, die ver­säum­te Rechts­mit­tel­frist ein­zu­hal­ten 2. Dazu gehört der Vor­trag eines Lebens­sach­ver­halts, der das feh­len­de Ver­schul­den an der Säum­nis belegt und Alter­na­ti­ven aus­schließt, die der Wie­der­ein­set­zung sonst ent­ge­gen­ste­hen 3.

Soweit sich der Ange­klag­te dar­auf beruft, die Beleh­rung des Vor­sit­zen­den bezüg­lich der ein­wö­chi­gen Frist zur Ein­le­gung der Revi­si­on und deren Über­set­zung in die tür­ki­sche Spra­che über­haupt nicht ver­stan­den zu haben, zeigt dies abge­se­hen von der Nicht­ein­hal­tung der Wochen­frist aus § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO eben­falls kei­nen Sach­ver­halt auf, auf­grund des­sen der Ange­klag­te unver­schul­det an der Ein­hal­tung der Revi­si­ons­ein­le­gungs­frist gehin­dert gewe­sen wäre. Ohne nähe­re Dar­le­gun­gen dazu, war­um er die Über­set­zung in sei­ne Mut­ter­spra­che nicht ver­stan­den habe, ist den in § 45 Abs. 2 Satz 1 StPO gere­gel­ten Begrün­dungs­an­for­de­run­gen nicht genügt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Juli 2017 – 1 StR 240/​17

  1. BGH, Beschlüs­se vom 24.07.2012 – 1 StR 341/​12; vom 07.06.2013 – 1 StR 232/​13; vom 14.01.2015 – 1 StR 573/​14, NStZ-RR 2015, 145 f.; und vom 21.11.2016 – 1 StR 526/​16 [in NStZ-RR 2017, 48 nur redak­tio­nel­ler Leit­satz] mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 14.01.2015 – 1 StR 573/​14, NStZ-RR 2015, 145 f.; und vom 21.11.2016 – 1 StR 526/​16 [in NStZ-RR 2017, 48 nur redak­tio­nel­ler Leit­satz] mwN; vgl. auch Beck­OK StPO/​Cirener, 27. Edi­ti­on, § 45 Rn. 6; Maul in KK-StPO, 7. Aufl., § 45 Rn. 6[]
  3. Beck­OK StPO/​Cirener aaO[]
  4. dazu OLG Olden­burg, Beschluss vom 18.01.2008 – 1 Ws 41/​08, NStZ-RR 2008, 150; sie­he auch Maul in KK-StPO aaO § 45 Rn. 7[]