Die Höhe eines Tages­sat­zes

Die Höhe eines Tages­sat­zes bestimmt sich unter Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Täters (§ 40 Abs. 2 Satz 1 StGB).

Die Höhe eines Tages­sat­zes

Dabei ist grund­sätz­lich vom Net­to­ein­kom­men aus­zu­ge­hen, das der Täter an einem Tag hat oder haben könn­te (§ 40 Abs. 2 Satz 2 StGB).

Jedoch erschöpft sich die Bestim­mung der Tages­satz­hö­he nicht in einem mecha­ni­schen Rechen­akt, son­dern es han­delt sich um einen wer­ten­den Akt rich­ter­li­cher Straf­zu­mes­sung, der dem Tatrich­ter Ermes­sens­spiel­räu­me hin­sicht­lich der berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Fak­to­ren belässt 1.

Dabei ist das Ein­kom­men ein rein straf­recht­li­cher Begriff, wel­cher die Ein­künf­te aus allen Ein­kunfts­ar­ten umfasst. Erfasst wer­den nicht nur Ein­nah­men in Form von Geld­leis­tun­gen; auch Unter­halts- und Sach­be­zü­ge oder sons­ti­ge Natu­ral­leis­tun­gen sind zu berück­sich­ti­gen 2.

Von den anzu­rech­nen­den Ein­nah­men abzu­zie­hen sind damit zusam­men­hän­gen­de Aus­ga­ben, wie etwa Wer­bungs­kos­ten und Betriebs­aus­ga­ben sowie Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge. Außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen sind in der Regel eben­falls zu berück­sich­ti­gen, Unter­halts­ver­pflich­tun­gen nur in ange­mes­se­nem Umfang 3.

Dem Tatrich­ter steht gemäß § 40 Abs. 3 StGB hin­sicht­lich der Bemes­sungs­grund­la­gen für die Tages­satz­hö­he eine Schät­zungs­be­fug­nis zu, sofern ent­we­der der Ange­klag­te kei­ne oder unrich­ti­ge Anga­ben zu sei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen macht, deren Ermitt­lung zu einer unan­ge­mes­se­nen Ver­zö­ge­rung des Ver­fah­rens füh­ren wür­de oder der erfor­der­li­che Auf­wand nicht im Ver­hält­nis zur Höhe der Geld­stra­fe ste­hen wür­de 4.

Die nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen vor­ge­nom­me­ne Wer­tung des Tatrich­ters bei der Bestim­mung der Tages­satz­hö­he ist vom Revi­si­ons­ge­richt bis zur Gren­ze des Ver­tret­ba­ren hin­zu­neh­men, wenn die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Täters aus­rei­chend fest­ge­stellt und in rechts­feh­ler­frei­er Wei­se berück­sich­tigt sind. Sofern der Tatrich­ter Bemes­sungs­grund­la­gen schätzt (§ 40 Abs. 3 StGB), müs­sen aller­dings die Urteils­grün­de die kon­kre­ten tat­säch­li­chen Grund­la­gen der Schät­zung aus­rei­chend dar­le­gen, um eine Nach­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt zu ermög­li­chen 5.

Zwar darf das Gericht bei der hohen Tages­satz­an­zahl (hier: von 180 Tages­sät­zen) eine Sen­kung des Tages­sat­zes vor­neh­men, um der pro­gres­si­ven Stei­ge­rung des Straf­ü­bels ent­ge­gen­zu­wir­ken 6. Eine Ver­rin­ge­rung der Tages­satz­hö­he auf weni­ger als die Hälf­te des sich aus­ge­hend vom Net­to­ein­kom­men erge­ben­den Tages­sat­zes bedarf jedoch einer beson­de­ren Begrün­dung.

Bei beson­ders ein­kom­mens­schwa­chen Per­so­nen darf eine nicht in der Höhe gegen­über dem Net­to­ein­kom­mens­prin­zip kor­ri­gier­te Geld­stra­fe nicht dazu füh­ren, dem Täter das zum Leben uner­läss­li­che Mini­mum an Ein­kom­men zu ent­zie­hen 7. So ver­hält es sich hier indes nicht, wenn das Gericht der Ange­klag­ten nach § 42 StGB Zah­lungs­er­leich­te­run­gen in Form einer Raten­zah­lung mit nied­ri­gen Raten ein­räumt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Juli 2017 – 1 StR 536/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.04.2017 – 1 StR 147/​17 Rn. 7 mwN[]
  2. BGH aaO mwN[]
  3. BGH aaO Rn. 9 mwN[]
  4. vgl. BGH aaO Rn. 10[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 14.03.2003 – 2 StR 239/​02, NStZ 2003, 657, 658 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 28.04.1976 – 3 StR 8/​76, BGHSt 26, 325, 331; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 40 Rn. 24 mwN[]
  7. vgl. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl., § 40 Rn. 85[]