Die Holz­lat­te als gefähr­li­ches Werk­zeug

Eine mit­ge­führ­te und bei der Raub­be­ge­hung ein­ge­setz­te Holz­lat­te ist ein gefähr­li­ches Werk­zeug im Sin­ne des § 224 Abs. 1 Nr. 2 Fall 2 StGB.

Die Holz­lat­te als gefähr­li­ches Werk­zeug

Ein gefähr­li­ches Werk­zeug im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist jeder Gegen­stand, der nach sei­ner objek­ti­ven Beschaf­fen­heit und nach der Art sei­ner Benut­zung im Ein­zel­fall geeig­net ist, erheb­li­che Kör­per­ver­let­zun­gen her­bei­zu­füh­ren 1.

Das ist nicht nur dann der Fall, wenn der Täter ein gene­rell gefähr­li­ches Tat­mit­tel ein­setzt, son­dern auch, wenn sich die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit des ein­ge­setz­ten Gegen­stan­des erst aus der kon­kre­ten Art sei­ner Ver­wen­dung ergibt, wel­che geeig­net ist, erheb­li­che Ver­let­zun­gen her­bei­zu­füh­ren. Die Gefähr­lich­keit des Tat­mit­tels kann sich gera­de dar­aus erge­ben, dass ein Gegen­stand bestim­mungs­wid­rig gebraucht wird 2.

Unab­hän­gig davon, dass eine Platz­wun­de in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs als eine sol­che nicht uner­heb­li­che Ver­let­zung ange­se­hen wor­den ist 3, ist für die Tat­be­stands­er­fül­lung maß­ge­bend nicht (allein) die ein­ge­tre­te­ne Ver­let­zungs­fol­ge, son­dern die poten­ti­el­le Gefähr­lich­keit der kon­kre­ten Benut­zung des Werk­zeugs 4. Die vom Täter als Schlag­werk­zeug ein­ge­setz­te Holz­lat­te war ins­be­son­de­re ange­sichts der für den Trans­port von Küchen­mö­beln erfor­der­li­chen Sta­bi­li­tät, ihrer Beschaf­fen­heit sowie ihrer Län­ge und der damit ver­bun­de­nen Hebel­wir­kung ohne wei­te­res geeig­net, erheb­li­che Kör­per­ver­let­zun­gen zuzu­fü­gen. Der eine Platz­wun­de ver­ur­sa­chen­de Schlag war auf die Knie­re­gi­on des Geschä­dig­ten gerich­tet; dass es bei der­ar­ti­gen Schlä­gen zu erheb­li­chen Ver­let­zun­gen kom­men kann, liegt auf der Hand. In dem dyna­mi­schen Gesche­hen, in dem der Täter die Holz­lat­te ein­setz- te, lag es zudem nahe, dass auch ande­re, mög­li­cher­wei­se emp­find­li­che­re Kör­per­tei­le getrof­fen wer­den konn­ten 5.

Dar­aus ergibt sich zugleich, dass die Ange­klag­ten die Qua­li­fi­ka­ti­on in § 250 Abs. 2 Nr. 1 Fall 2 StGB erfüllt haben. Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass der Begriff des gefähr­li­chen Werk­zeugs in § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB und in § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB iden­tisch aus­zu­le­gen ist 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – 4 StR 538/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 07.01.1999, NStZ-RR 2000, 43; Urteil vom 27.09.2001 – 4 StR 245/​01, NStZ 2002, 86[]
  2. BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 487/​10, StV 2011, 366; vgl. z.B. BGH, Beschluss vom 20.05.1999 – 4 StR 168/​99, NStZ-RR 1999, 355 [abge­säg­ter Besen­stiel]; Urtei­le vom 21.01.2004 – 1 StR 364/​03 [zum Fes­seln benutz­te Paket­schnur]; vom 13.01.2006 – 2 StR 463/​05 ["fes­tes Schlauch­stück"]; und vom 05.08.2010 – 3 StR 190/​10, NStZ 2011, 211, 212 [60 Zen­ti­me­ter lan­ges, sta­bi­les Kunst­stoff­band]; Beschluss vom 13.11.2012 – 3 StR 400/​12 [Staub­sauger­rohr][]
  3. BGH, Urteil vom 23.05.2001 – 3 StR 62/​01, StV 2002, 80[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 04.09.2001 – 1 StR 232/​01, StV 2002, 21[]
  5. vgl. zu die­sem Gesichts­punkt noch BGH, Urteil vom 13.01.2006 – 2 StR 463/​05; Münch­Komm-StG­B/Hard­tung, 2. Aufl., § 224 Rn. 24[]
  6. BGH, Beschlüs­se vom 17.06.1998 – 2 StR 167/​98, BGHSt 44, 103, 105; vom 03.04.2002 – 1 ARs 5/​02, NStZ-RR 2002, 265, 266; vom 03.11.2012 – 3 StR 400/​12; und vom 12.12 2012 – 5 StR 574/​12, StV 2013, 444; vgl. auch Deut­scher Bun­des­tag, 13. Wp., Bericht des Rechts­aus­schus­ses, BT-Drs. 13/​9064 S. 18[]