Die Lücken in der Beweis­wür­di­gung

Auf die Sach­rü­ge hin prüft das Revi­si­ons­ge­richt, ob die tatrich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung so, wie sie sich aus den Urteils­grün­den ergibt, den Beweis­stoff lücken­los aus­ge­schöpft hat 1. Lücken­haft ist die Beweis­wür­di­gung nament­lich dann, wenn sie wesent­li­che Fest­stel­lun­gen nicht erör­tert 2.

Die Lücken in der Beweis­wür­di­gung

Im Übri­gen liegt ein Erör­te­rungs­man­gel und damit eine Lücke nur dann vor, wenn sich das Tat­ge­richt mit tat­säch­lich vor­han­de­nen Anhalts­punk­ten für nahe lie­gen­de ande­re Mög­lich­kei­ten nicht aus­ein­an­der­ge­setzt hat 3. Es ist aber weder im Hin­blick auf den Zwei­fels­satz noch sonst gebo­ten, zu Guns­ten des Ange­klag­ten Tat­va­ri­an­ten zu unter­stel­len, für deren Vor­lie­gen kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te erbracht sind 4. Des­halb braucht das tatrich­ter­li­che Urteil bloß theo­re­ti­sche Mög­lich­kei­ten auch nicht zu erör­tern 5, son­dern muss sich nur mit nach der Sach­la­ge nahe­lie­gen­den Mög­lich­kei­ten aus­ein­an­der­set­zen 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Juni 2016 – 1 StR 49/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 1986 – 3 StR 500/​86; Ott in KK-StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 81[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 03.12 2015 – 4 StR 387/​15, Rn. 13, Stra­Fo 2016, 110; vom 22.05.2007 – 1 StR 582/​06; und vom 05.12 2013 – 4 StR 371/​13, NStZ-RR 2014, 87; Beschluss vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14, NStZ 2016, 338[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14, NStZ 2016, 338; vom 30.04.1987 – 4 StR 164/​87, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung, unzu­rei­chen­de 6; Urteil vom 05.12 1986 – 2 StR 566/​86, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung, unzu­rei­chen­de 4[]
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 27.04.2010 – 1 StR 454/​09, wis­tra 2010, 310, 312 mwN; und vom 23.03.1995 – 4 StR 746/​94, BGHR BtMG § 29 Bewer­tungs­ein­heit 4; Beschluss vom 23.08.2011 – 1 StR 153/​11, Rn. 24, in BGHSt 57, 1 nicht abge­druckt[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14, NStZ 2016, 338; vom 23.05.2012 – 1 StR 208/​12, Rn. 7, wis­tra 2012, 355 [in NStZ 2012, 584 nicht abge­druckt]; vom 23.08.2011 – 1 StR 153/​11, Rn. 24, in BGHSt 57, 1 nicht abge­druckt; Urteil vom 26.05.2011 – 1 StR 20/​11, NStZ 2011, 688[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2005 – 1 StR 478/​04, NStZ-RR 2005, 147; Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, Rn. 14, NStZ 2016, 338; und vom 29.08.1974 – 4 StR 171/​74, BGHSt 25, 365, 367; Ott in KK-StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 49 mwN[]