Die mit einer Ent­klei­dung ver­bun­de­ne Durch­su­chung – und der Staats­haf­tungs­an­spruch des Straf­ge­fan­ge­nen

Eine mit Ent­klei­dung ver­bun­de­ne Durch­su­chung eines Straf­ge­fan­ge­nen stellt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts einen schwer­wie­gen­den Ein­griff in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht dar 1.

Die mit einer Ent­klei­dung ver­bun­de­ne Durch­su­chung – und der Staats­haf­tungs­an­spruch des Straf­ge­fan­ge­nen

Soweit das Land­ge­richt Mann­heim die Amts­haf­tungs­kla­ge des Beschwer­de­füh­rers mit der Begrün­dung abweist, dass ein Ver­schul­den des Anstalts­lei­ters bei Anwen­dung der soge­nann­ten Kol­le­gi­al­ge­richts­richt­li­nie des Bun­des­ge­richts­hofs 2 nicht vor­lie­ge 3, ist die Argu­men­ta­ti­on ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich. Das Land­ge­richt erkennt selbst, dass die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nur für ein mit meh­re­ren Rechts­kun­di­gen besetz­tes Kol­le­gi­al­ge­richt gilt. Das Gericht erkennt auch, dass die Beschlüs­se der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer jeweils von einem Ein­zel­rich­ter stam­men. Es ist daher unter kei­nem denk­ba­ren Aspekt recht­lich ver­tret­bar, wenn das Land­ge­richt den­noch – unter Her­an­zie­hung von § 196 Abs. 1 GVG – zur Anwen­dung der Kol­le­gi­al­ge­richts­richt­li­nie gelangt, weil sich zwei­mal nach­ein­an­der jeweils ein Ein­zel­rich­ter der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer mit der Sache aus­ein­an­der­ge­setzt habe und bei­de zu dem Ergeb­nis gekom­men sei­en, dass die Durch­su­chung recht­mä­ßig gewe­sen sei. Unab­hän­gig davon, dass bei die­sem Ver­ständ­nis die inne­re Recht­fer­ti­gung für die Anwen­dung der Kol­le­gi­al­ge­richts­richt­li­nie 4 ent­fie­le, hat das ein­zi­ge mit der Sache befass­te Kol­le­gi­al­ge­richt, das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, bei­de Beschlüs­se der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mern auf­ge­ho­ben und die Maß­nah­me als rechts­wid­rig ange­se­hen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Janu­ar 2019 – 2 BvR 1081/​18

  1. vgl. BVerfGK 2, 102, 105; BVerfG, Beschluss des Zwei­tens Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 29.10.2003 – 2 BvR 1745/​01 15; Beschluss vom 04.02.2009 – 2 BvR 455/​08 25; und vom 10.07.2013 – 2 BvR 2815/​11 15, Beschluss vom 05.11.2016 – 2 BvR 6/​16 29[]
  2. vgl. BGHZ 73, 161, 164[]
  3. LG Mann­heim, Urteil vom 16.02.2018 – 10 O 42/​16[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 09.06.1983 – III ZR 41/​8220[]