Die trotz geän­der­ter Sach­la­ge nicht aus­ge­setz­te Haupt­ver­hand­lung

Eine Aus­set­zung hat nach § 265 Abs. 4 StPO zu erfol­gen, wenn dies infol­ge der ver­än­der­ten Sach­la­ge zur genü­gen­den Vor­be­rei­tung der Ankla­ge oder Ver­tei­di­gung ange­mes­sen erscheint.

Die trotz geän­der­ter Sach­la­ge nicht aus­ge­setz­te Haupt­ver­hand­lung

Bei einer ver­än­der­ten Sach­la­ge kann es sich um eine Ver­än­de­rung des Sach­ver­halts oder der Ver­fah­rens­la­ge han­deln1. Grund­sätz­lich kann jede vom Ange­klag­ten nicht ver­schul­de­te Ver­schlech­te­rung sei­ner Ver­tei­di­gungs­mög­lich­keit den Anlass zur Aus­set­zung geben2.

Ob die Ver­hand­lung aus­zu­set­zen ist, ent­schei­det das Gericht nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen, des­sen Aus­übung vom Gericht dar­zu­stel­len ist3. For­mel­haf­te Wen­dun­gen in der Ableh­nung erlau­ben dem Revi­si­ons­ge­richt die Nach­prü­fung, ob das Ermes­sen feh­ler­frei aus­ge­übt wur­de, hin­ge­gen nicht4.

So liegt der Fall hier. Das Gericht hat den Antrag der Ver­tei­di­gung auf Aus­set­zung mit dem Hin­weis abge­lehnt, dass bereits aus dem Umstand, dass die Revi­si­ons­füh­re­rin auch in Abwe­sen­heit des Mit­an­ge­klag­ten Beweis­an­trä­ge gestellt habe, ersicht­lich sei, dass sie sich selbst ver­tei­di­gen kön­ne. Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Beweis­si­tua­ti­on lässt es ver­mis­sen. Dies wäre aber hier erfor­der­lich gewe­sen, weil die Ange­klag­te sub­stan­ti­iert auf­ge­zeigt hat, wel­che Infor­ma­tio­nen sie über ihren (abwe­sen­den) mit­an­ge­klag­ten Ehe­mann hät­te erlan­gen wol­len, um sach­ge­rech­te Anträ­ge zu stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juni 2018 – 1 StR 616/​17

  1. Schmitt in MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 265 Rn. 40 []
  2. Stu­cken­berg in LR/​StPO, 26. Aufl., § 265 Rn. 108 []
  3. BGH, Urteil vom 28.06.1955 – 5 StR 646/​54 Rn. 13, BGHSt 8, 92, 96 []
  4. BGH, Beschluss vom 11.09.1986 – 1 StR 472/​86 Rn. 2, NStZ 1987, 34 []