Die selbst zu ver­ant­wor­ten­de Trun­ken­heit

Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hält auch nach der Anfra­ge des 3. Straf­se­nats 1 an sei­ner Recht­spre­chung fest, wonach es im Fal­le selbst zu ver­ant­wor­ten­der Trun­ken­heit in der Regel gegen eine Straf­rah­men­ver­schie­bung spricht, wenn sich auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls infol­ge der Alko­ho­li­sie­rung das Risi­ko der Bege­hung von Straf­ta­ten vor­her­seh­bar signi­fi­kant erhöht hat.

Die selbst zu ver­ant­wor­ten­de Trun­ken­heit

Der 3. Straf­se­nat hat über die Revi­si­on eines Ange­klag­ten zu ent­schei­den, der wegen Tot­schlags zu einer Frei­heits­stra­fe von neun Jah­ren ver­ur­teilt wor­den ist. Das Land­ge­richt hat dem Ange­klag­ten eine Straf­rah­men­mil­de­rung nach § 213 bzw. §§ 21, 49 Abs. 1 StGB ver­sagt und dies auf den Umstand gestützt, der Ange­klag­te habe die bei ihm fest­ge­stell­te erheb­lich ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit durch ver­schul­de­te Trun­ken­heit selbst­ver­ant­wort­lich her­bei­ge­führt. Fest­stel­lun­gen zu einer vor­her­seh­bar signi­fi­kan­ten alko­hol­be­ding­ten Erhö­hung des Risi­kos der Bege­hung von Straf­ta­ten auf­grund per­sön­li­cher oder situa­ti­ver Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls hat das Land­ge­richt nicht getrof­fen und sol­che Umstän­de bei sei­ner Straf­rah­men­wahl nicht berück­sich­tigt.

Der 3. Straf­se­nat beab­sich­tigt, die Revi­si­on des Ange­klag­ten zu ver­wer­fen und zu ent­schei­den: "Der Tatrich­ter übt sein Ermes­sen bei der Ent­schei­dung über die Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB grund­sätz­lich nicht rechts­feh­ler­haft aus, wenn er im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung der schuld­min­dern­den Umstän­de die Ver­sa­gung der Straf­mil­de­rung allein auf den Umstand stützt, dass die erheb­li­che Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Täters auf von die­sem ver­schul­de­ter Trun­ken­heit beruht."

Er fragt gemäß § 132 Abs. 3 Satz 1 GVG bei den ande­ren Straf­se­na­ten des Bun­des­ge­richts­hofs an, ob deren Recht­spre­chung dem ent­ge­gen­steht und ob – soll­te dies der Fall sein – dar­an fest­ge­hal­ten wird.

Der beab­sich­tig­ten Ent­schei­dung des 3. Straf­se­nats steht Recht­spre­chung des 5. Straf­se­nats ent­ge­gen 2. Der 5 Straf­se­nat hält an die­ser Recht­spre­chung fest, wonach es im Fal­le selbst zu ver­ant­wor­ten­der Trun­ken­heit in der Regel gegen eine Straf­rah­men­ver­schie­bung spricht, wenn sich auf­grund der per­sön­li­chen oder situa­ti­ven Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls das Risi­ko der Bege­hung von Straf­ta­ten vor­her­seh­bar signi­fi­kant infol­ge der Alko­ho­li­sie­rung erhöht hat.

Zur Begrün­dung bezieht sich der 5. Straf­se­nat – ohne näher auf die Argu­men­te des 3. Straf­se­nats ein­zu­ge­hen – pau­schal auf sei­ne Aus­füh­run­gen im Urteil vom 17.08.2004 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. März 2016 – 5 ARs 50/​15

  1. BGH, Beschluss vom 15.10.2015 – 3 StR 63/​15[]
  2. BGH, Urtei­le vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, BGHSt 49, 239; vom 11.06.2008 – 5 StR 612/​07, NStZ 2008, 619; vom 29.10.2008 – 5 StR 456/​08, NStZ 2009, 202; vom 07.05.2009 – 5 StR 64/​09, NStZ 2009, 496; sowie Beschlüs­se vom 13.01.2010 – 5 StR 510/​09, NStZ-RR 2010, 234; vom 10.03.2010 – 5 StR 62/​10 und Urteil vom 01.12 2011 – 5 StR 360/​11[]
  3. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, BGHSt 49, 239, 240 bis 253[]