Die Straf­bar­keit des Dro­gen­ku­riers

Der Begriff des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung weit aus­zu­le­gen. Er erfasst alle Tätig­kei­ten, die auf den Umsatz von Betäu­bungs­mit­teln gerich­tet sind und schließt damit dem Grund­satz nach auch unter­stüt­zen­de Tätig­kei­ten als tat­be­stand­li­che Hand­lun­gen ein1.

Die Straf­bar­keit des Dro­gen­ku­riers

Die Abgren­zung zwi­schen täter­schaft­li­chen und Bei­hil­fe­hand­lun­gen hat dabei nach all­ge­mei­nen Regeln zu erfol­gen2. Dabei stellt der BGH in sei­ner jün­ge­ren Recht­spre­chung dar­auf ab, wel­che Bedeu­tung dem kon­kre­ten Tat­bei­trag für das Umsatz­ge­schäft ins­ge­samt zukommt.

Ein Kurier ist danach als Gehil­fe ein­zu­ord­nen, wenn die Tat­hand­lung sich auf den Trans­port von Betäu­bungs­mit­teln zwi­schen selb­stän­dig han­deln­den Lie­fe­ran­ten und Abneh­mern beschränkt und der Betei­lig­te nicht in der Lage ist, das Geschäft ins­ge­samt maß­geb­lich mit­zu­ge­stal­ten. Als mit­tä­ter­schaft­li­ches Han­del­trei­ben kann eine Kurier­tä­tig­keit dem­ge­gen­über ein­zu­ord­nen sein, wenn der Betei­lig­te über den rei­nen Trans­port hin­aus erheb­li­che Tätig­kei­ten ent­fal­tet3.

Sol­che Tätig­kei­ten kön­nen bei­spiels­wei­se bei der Ein­bin­dung des Kuriers in den An- oder Ver­kauf der Betäu­bungs­mit­tel4, bei einer wei­ter­rei­chen­den Ein­fluss­mög­lich­keit des Kuriers auf Art und Men­ge der trans­por­tier­ten Betäu­bungs­mit­tel5 oder wenn der Kurier die trans­por­tier­ten Dro­gen am Ziel­ort auf­zu­be­wah­ren, zu por­tio­nie­ren, che­misch umzu­wan­deln oder zu ver­pa­cken hat6, anzu­neh­men sein.

Beschränkt sich der Tat­bei­trag eines Dro­gen­ku­riers auf den blo­ßen Trans­port von Betäu­bungs­mit­teln, liegt selbst dann kei­ne Täter­schaft vor, wenn ihm fak­ti­sche Hand­lungs­spiel­räu­me hin­sicht­lich der Art und Wei­se des Trans­ports ver­blei­ben7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. August 2016 – 4 StR 297/​16

  1. BGH, Beschluss vom 26.10.2005, GSSt 1/​05 []
  2. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Beschluss vom 08.01.2013, 5 StR 606/​12; Urteil vom 28.02.2007, 2 StR 516/​06 []
  3. BGH, Urteil vom 28.02.2007, 2 StR 516/​06 []
  4. BGH, Beschluss vom 09.11.2011, 1 StR 508/​11 []
  5. BGH, Beschluss vom 30.03.2007, 2 StR 81/​07 []
  6. Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl.2016, Rn. 221 zu § 29 unter Ver­weis auf BGH, Beschluss vom 07.03.2001, 2 StR 23/​01 []
  7. BGH, Beschluss vom 12.08.2014, 4 StR 174/​14; Beschluss vom 03.07.2014, 4 StR 240/​14; Beschluss vom 22.08.2012, 4 StR 272/​12; BGH, Beschluss vom 04.02.2014, 3 StR 447/​13; Beschluss vom 30.08.2011, 3 StR 270/​11; Urteil vom 28.02.2007, 2 StR 516/​06 []