Die Straf­ta­ten einer Ban­de – und ihre Betei­li­gung hier­an

Für jede ein­zel­ne (Banden)Tat ist nach den all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en fest­zu­stel­len, ob sich die Ban­den­mit­glie­der hier­an als Mit­tä­ter, Anstif­ter oder Gehil­fen betei­ligt und ob sie gege­be­nen­falls über­haupt kei­nen straf­ba­ren Bei­trag geleis­tet haben 1.

Die Straf­ta­ten einer Ban­de – und ihre Betei­li­gung hier­an

Die Abgren­zung zwi­schen Mit­tä­ter­schaft an bzw. Bei­hil­fe zu der jewei­li­gen Ein­zel­tat ist in wer­ten­der Betrach­tung unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de vor­zu­neh­men, die von der Vor­stel­lung des jewei­li­gen Ban­den­mit­glieds umfasst sind. Maß­geb­lich sind dabei ins­be­son­de­re sein Inter­es­se an der Durch­füh­rung der Tat sowie der Umfang sei­ner Tat­herr­schaft oder jeden­falls sein Wil­le, Tat­herr­schaft aus­zu­üben, was sich danach beur­teilt, ob objek­tiv oder jeden­falls aus der Sicht des Täters die Aus­füh­rung der Tat wesent­lich von sei­ner Mit­wir­kung abhängt 2.

Gemes­sen dar­an hat der Ange­klag­te im hier ent­schie­de­nen Ver­fah­ren auf der Grund­la­ge der vom Land­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen in allen (ver­such­ten) Dieb­stahls­fäl­len als Mit­tä­ter gehan­delt. So hat­te der Ange­klag­te das für die Annah­me der Mit­tä­ter­schaft erfor­der­li­che eige­ne Inter­es­se am Erfolg der Tat, weil er antei­lig an der Beu­te betei­ligt wer­den soll­te. Ihm kam nach dem gemein­sam gefass­ten Tat­plan auch eine bedeu­ten­de Rol­le zu. Er ver­brach­te die Mit­an­ge­klag­ten M. und B. in sei­nem Fahr­zeug unter Ver­wen­dung des dar­in befind­li­chen Navi­ga­ti­ons­ge­rä­tes zu den jewei­li­gen Tat­or­ten, stand wäh­rend der Aus­füh­rung der Taten in unmit­tel­ba­rer Nähe des jewei­li­gen Tat­orts bereit und ermög­lich­te sodann den Abtrans­port des Die­bes­gu­tes und der Mit­an­ge­klag­ten in sei­nem Fahr­zeug.

Sind an einer Delikt­se­rie – wie vor­lie­gend – meh­re­re Per­so­nen als Mit­tä­ter, mit­tel­ba­re Täter, Anstif­ter oder Gehil­fen betei­ligt, ist die Fra­ge, ob die ein­zel­nen Taten tat­ein­heit­lich oder tat­mehr­heit­lich zusam­men­tref­fen, bei jedem Betei­lig­ten geson­dert zu prü­fen und zu ent­schei­den. Maß­geb­lich ist dabei der Umfang des erbrach­ten Tat­bei­trags. Leis­tet ein Mit­tä­ter für alle oder eini­ge Ein­zel­ta­ten einen indi­vi­du­el­len, nur die­se för­dern­den Tat­bei­trag, so sind ihm die­se Taten – soweit kei­ne natür­li­che Hand­lungs­ein­heit vor­liegt – als tat­mehr­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen. Fehlt es an einer sol­chen indi­vi­du­el­len Tat­för­de­rung, erbringt der Täter aber im Vor­feld oder wäh­rend des Laufs der Delikt­se­rie Tat­bei­trä­ge, durch die alle oder meh­re­re Ein­zel­ta­ten sei­ner Tat­ge­nos­sen gleich­zei­tig geför­dert wer­den, sind ihm die gleich­zei­tig geför­der­ten Straf­ta­ten als tat­ein­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen, da sie in sei­ner Per­son durch den ein­heit­li­chen Tat­bei­trag zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft wer­den. Ohne Bedeu­tung ist dabei, ob die Mit­tä­ter die ein­zel­nen Delik­te tat­mehr­heit­lich began­gen haben 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Novem­ber 2017 – 1 StR 491/​17

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 24.07.2008 – 3 StR 243/​08, StV 2009, 130
  2. BGH, Urteil vom 26.04.2012 – 4 StR 665/​11, StV 2012, 669; Beschlüs­se vom 24.07.2008 aaO; und vom 13.05.2003 – 3 StR 128/​03, NStZ-RR 2003, 265, 267
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 11.04.2017 – 4 StR 615/​16, Rn. 4; vom 02.07.2014 – 4 StR 176/​14, wis­tra 2014, 437; und vom 30.07.2013 – 4 StR 29/​13, NStZ 2013, 641; Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 182 f.