Die Tat – als Gegen­stand der Urteils­fin­dung

Die Tat als Gegen­stand der Urteils­fin­dung (§ 264 Abs. 1 StPO) ist der geschicht­li­che Vor­gang, auf den Ankla­ge und Eröff­nungs­be­schluss hin­wei­sen und inner­halb des­sen die Ange­klag­te einen Straf­tat­be­stand ver­wirk­licht haben soll.

Die Tat – als Gegen­stand der Urteils­fin­dung

Hier­bei han­delt es sich um einen eigen­stän­di­gen Begriff; er ist wei­ter als der­je­ni­ge der Hand­lung im Sin­ne des sach­li­chen Rechts.

Zur Tat im pro­zes­sua­len Sinn gehört – unab­hän­gig davon, ob Tat­ein­heit (§ 52 StGB) oder Tat­mehr­heit (§ 53 StGB) vor­liegt – das gesam­te Ver­hal­ten des Täters, soweit es nach der Auf­fas­sung des Lebens einen ein­heit­li­chen Vor­gang dar­stellt.

Somit umfasst der Lebens­vor­gang, aus dem die zuge­las­se­ne Ankla­ge einen straf­recht­li­chen Vor­wurf her­lei­tet, alle damit zusam­men­hän­gen­den und dar­auf bezüg­li­chen Vor­komm­nis­se, selbst wenn die­se Umstän­de in der Ankla­ge­schrift nicht aus­drück­lich erwähnt sind.

Bei der Beur­tei­lung des Tat­um­fangs kommt es auf die Umstän­de des Ein­zel­fal­les an. Ent­schei­dend ist, ob zwi­schen den in Betracht kom­men­den Ver­hal­tens­wei­sen – unter Berück­sich­ti­gung ihrer straf­recht­li­chen Bedeu­tung – ein enger sach­li­cher Zusam­men­hang besteht; selbst zeit­li­ches Zusam­men­tref­fen der ein­zel­nen Hand­lun­gen ist weder erfor­der­lich noch aus­rei­chend 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – 1 StR 595/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 07.02.2012 – 1 StR 542/​11, NStZ-RR 2012, 355 mwN[]