Die ange­klag­te Tat – und die Kogni­ti­ons­pflicht des Gerichts

Die umfas­sen­de gericht­li­che Kogni­ti­ons­pflicht gebie­tet, dass der durch die zuge­las­se­ne Ankla­ge abge­grenz­te Pro­zess­stoff voll­stän­dig erschöpft wird [1].

Die ange­klag­te Tat – und die Kogni­ti­ons­pflicht des Gerichts

Die Tat als Gegen­stand der Urteils­fin­dung ist der geschicht­li­che Vor­gang, auf den Ankla­ge und Eröff­nungs­be­schluss hin­wei­sen und inner­halb des­sen der Ange­klag­te einen Straf­tat­be­stand ver­wirk­licht haben soll. Hier­bei han­delt es sich um einen eigen­stän­di­gen Begriff; er ist wei­ter als der­je­ni­ge der Hand­lung im sach­li­chen Recht.

Zur Tat im pro­zes­sua­len Sin­ne gehört – unab­hän­gig davon, ob Tat­ein­heit oder Tat­mehr­heit vor­liegt – das gesam­te Ver­hal­ten des Täters, soweit es nach der Auf­fas­sung des Lebens einen ein­heit­li­chen Vor­gang dar­stellt. Somit umfasst der Lebens­vor­gang, aus dem die zuge­las­se­ne Ankla­ge einen straf­recht­li­chen Vor­wurf her­lei­tet, alle damit zusam­men­hän­gen­den und dar­auf bezüg­li­chen Vor­komm­nis­se, auch wenn die­se in der Ankla­ge­schrift nicht aus­drück­lich erwähnt sind.

Dabei kommt es auf die Umstän­de des Ein­zel­falls an. Ent­schei­dend ist, ob zwi­schen den in Betracht kom­men­den Ver­hal­tens­wei­sen – unter Berück­sich­ti­gung ihrer straf­recht­li­chen Bedeu­tung – ein enger sach­li­cher Zusam­men­hang besteht [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. April 2017 – 2 StR 290/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 29.10.2009 – 4 StR 239/​09, NStZ 2010, 222, 223 mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 07.02.2012 – 1 StR 542/​11, NStZ-RR 2012, 355, 356 mwN[]