Die umfang­rei­che Ein­las­sung des Ange­klag­ten – und ihre unzu­rei­chen­de Wür­di­gung

Dem Bun­des­ge­richts­hof ist im Revi­si­ons­ver­fah­ren die Prü­fung ver­wehrt, ob die im ange­foch­te­nen Urteil erfolg­te Dar­stel­lung der Ein­las­sung des Ange­klag­ten die in der Haupt­ver­hand­lung erfolg­te Ein­las­sung inhalt­lich zutref­fend wie­der­gibt. Ohne eine sol­che Prü­fung kann durch das Revi­si­ons­ge­richt ein auf einer unzu­rei­chen­den Wür­di­gung der Ein­las­sung beru­hen­der Ver­stoß gegen § 261 StPO 1 aber nicht beur­teilt wer­den 2.

Die umfang­rei­che Ein­las­sung des Ange­klag­ten – und ihre unzu­rei­chen­de Wür­di­gung

Gegen­stand der Haupt­ver­hand­lung ist nicht der Inhalt der von der Ver­tei­di­gung schrift­li­chen Erklä­run­gen gewor­den, son­dern ledig­lich der münd­li­che Vor­trag 3. Im hier ent­schie­de­nen Fall sind die schrift­li­chen „Ein­las­sun­gen” des Ange­klag­ten in der Haupt­ver­hand­lung durch des­sen Ver­tei­di­ger ver­le­sen wor­den und anschlie­ßend dem Gericht über­ge­ben wor­den. Damit han­delt es sich nicht um einen Urkun­den­be­weis mit der Kon­se­quenz, dass auch der Wort­laut der ver­le­se­nen Schrift­stü­cke nicht in die Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt wor­den ist 4. Gegen­stand der Haupt­ver­hand­lung sind ledig­lich der münd­li­che Vor­trag sowie etwai­ge münd­li­che Erklä­run­gen des Ange­klag­ten dazu, etwa dass er sich den Inhalt zu Eigen mache, gewor­den. Die­sen Inhalt der Haupt­ver­hand­lung kann das Revi­si­ons­ge­richt aber gera­de nicht rekon­stru­ie­ren 5.

Glei­ches gilt auch für die ergän­zen­de schrift­li­che Erklä­rung des Ange­klag­ten, die wie­der­um der Ver­tei­di­ger in der Haupt­ver­hand­lung ver­le­sen hat.

Es bestand auch kei­ne Ver­pflich­tung des Land­ge­richts die schrift­li­chen Erklä­run­gen als Anla­ge zum Pro­to­koll zu neh­men 6. Gemäß § 273 Abs. 1 Satz 1 StPO ist ledig­lich der Umstand, dass der Ange­klag­te sich zur Sache ein­ge­las­sen hat (vgl. § 243 Abs. 5 Satz 2 StPO), als wesent­li­che Förm­lich­keit in die Sit­zungs­nie­der­schrift auf­zu­neh­men. Der Inhalt sei­ner Ein­las­sung ist dage­gen gera­de kei­ne wesent­li­che Ver­fah­rens­förm­lich­keit. Selbst eine unnö­ti­ger­wei­se erfol­gen­de Ent­ge­gen­nah­me einer durch den Ver­tei­di­ger ver­le­se­nen schrift­li­chen Erklä­rung und deren Hin­zu­fü­gung als Anla­ge zum Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll mach­te die Erklä­rung nicht zu des­sen Bestand­teil 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Mai 2015 – 1 StR 128/​15

  1. vgl. LR/​Sander, StPO, 26. Aufl., Band 6/​2 § 261 Rn. 74 mwN
  2. sie­he nur BGH, Beschluss vom 14.08.2003 – 3 StR 17/​03, NStZ 2004, 163 Rn. 2
  3. BGH aaO; sie­he auch KK-StPO/­Schnei­der aaO § 243 Rn. 57 mwN
  4. BGH aaO; BGH, Beschluss vom 10.11.2008 – 3 StR 390/​08, NStZ 2009, 173; sie­he auch bereits BGH, Urteil vom 03.07.1991 – 2 StR 45/​91, BGHSt 38, 14, 16
  5. BGH, Beschluss vom 14.08.2003 – 3 StR 17/​03, NStZ 2004, 163, 164 Rn. 3; Park StV 2001, 589, 592; KK-StPO/­Schnei­der aaO § 243 Rn. 57
  6. BGH, Beschluss vom 10.11.2008 – 3 StR 390/​08, NStZ 2009, 173
  7. BGH aaO