Die unter­blie­be­ne Gehörs­rü­ge – und die Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät nicht gerecht (§ 90 Abs. 2 BVerfGG), wenn der Beschwer­de­füh­rer zwar (auch) eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) rügt, er es aber unter­las­sen hat, die­se im Wege der Anhö­rungs­rü­ge nach § 33a Satz 1 StPO zur fach­ge­richt­li­chen Über­prü­fung gestellt zu haben.

Die unter­blie­be­ne Gehörs­rü­ge – und die Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen 1. Art. 103 Abs. 1 GG ist aller­dings nur ver­letzt, wenn sich im Ein­zel­fall klar ergibt, dass das Gericht der Pflicht nicht nach­ge­kom­men ist 2.

In der Regel geht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt davon aus, dass die Gerich­te das von ihnen ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen haben 3. Des­halb müs­sen, wenn ein Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG fest­ge­stellt wer­den soll, im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de deut­lich erge­ben, dass tat­säch­li­ches Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder bei der Ent­schei­dung nicht erwo­gen wor­den ist 4.

Auf­grund der Nicht­er­schöp­fung des Rechts­wegs kann der Beschwer­de­füh­rer auch die Ver­let­zung ande­rer Grund­rech­te nicht mehr rügen 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Juli 2019 – 2 BvR 453/​19

  1. vgl. BVerfGE 42, 364, 367 f.; 47, 182, 187; BVerfG, Beschluss vom 14.02.2019 – 2 BvR 1457/​18, Rn. 11
  2. vgl. BVerfGE 25, 137, 140; 34, 344, 347; 47, 182, 187; BVerfG, Beschluss vom 25.09.2018 – 2 BvR 1731/​18, Rn. 28
  3. vgl. BVerfGE 40, 101, 104 f.; 47, 182, 187
  4. vgl. BVerfGE 27, 248, 251 f.; 42, 364, 368; 47, 182, 187 f.; 65, 293, 295; 70, 288, 293; 86, 133, 145 f.
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.10.2014 – 2 BvR 1569/​12, Rn. 6, 9; Beschluss vom 07.10.2016 – 2 BvR 1313/​16, Rn. 13; Beschluss vom 14.12 2018 – 2 BvR 1594/​17, Rn. 18