Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus

Die Anord­nung nach § 63 StGB bedarf einer beson­ders sorg­fäl­ti­gen Prü­fung und Begrün­dung, weil sie eine schwer­wie­gen­de und gege­be­nen­falls lang­fris­tig in das Leben des Betrof­fe­nen ein­grei­fen­de Maß­nah­me dar­stellt.

Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus

Sie setzt unter ande­rem die posi­ti­ve Fest­stel­lung eines län­ger andau­ern­den, nicht nur vor­über­ge­hen­den Zustan­des des Täters vor­aus, der dazu führ­te, dass er – sicher fest­ste­hend – die Tat zumin­dest mit erheb­lich ein­ge­schränk­ter Schuld­fä­hig­keit im Sin­ne des § 21 StGB beging [1].

Auch das Vor­lie­gen einer nicht patho­lo­gisch beding­ten Stö­rung kann Anlass für eine Unter­brin­gung nach § 63 StGB sein. Doch stellt die Dia­gno­se einer Per­sön­lich­keits­stö­rung nicht ohne Wei­te­res eine hin­rei­chen­de Grund­la­ge für die Annah­me einer rele­van­ten Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Täters dar und recht­fer­tigt nur bei Vor­lie­gen wei­te­rer Umstän­de die Anord­nung der Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus [2]. Denn bei sol­chen Stö­run­gen besteht häu­fig die Gefahr, dass Eigen­schaf­ten und Ver­hal­tens­wei­sen, die sich inner­halb der Band­brei­te des Ver­hal­tens voll schuld­fä­hi­ger Men­schen bewe­gen, zu Unrecht als Sym­pto­me einer die Schuld­fä­hig­keit erheb­lich beein­träch­ti­gen­den schwe­ren see­li­schen Abar­tig­keit bewer­tet wer­den. Das gilt vor allem dann, wenn es um die Beur­tei­lung kaum mess­ba­rer, objek­tiv schwer dar­stell­ba­rer Befun­de und Ergeb­nis­se geht, wie es bei einer „kom­bi­nier­ten Per­sön­lich­keits­stö­rung“ der Fall ist [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Febru­ar 2016 – 3 StR 547/​15

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 06.03.1986 – 4 StR 40/​86, BGHSt 34, 22, 27; Beschluss vom 06.02.1997 – 4 StR 672/​96, BGHSt 42, 385[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 06.02.1997 – 4 StR 672/​96, BGHSt 42, 385, 386 f.; vom 11.11.2003 – 4 StR 424/​03, NStZ 2004, 197, 198; vom 18.07.2013 – 4 StR 168/​13, NJW 2013, 3383, 3385 mwN[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 11.11.2003 – 4 StR 424/​03, NStZ 2004, 197, 198; vom 09.05.2012 – 4 StR 120/​12, Stra­Fo 2012, 275[]