Die Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – The­ra­pie­dau­er und kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht

Der 2. und der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs ver­nei­nen eine hin­rei­chend kon­kre­ten Erfolgs­aus­sicht im Sin­ne des § 64 Satz 2 StGB bereits allein des­halb, weil die pro­gnos­ti­zier­te The­ra­pie­dau­er zwei Jah­re über­schrei­tet 1. Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs tritt dem nun in einem obiter dic­tum ent­ge­gen: Der 5. Straf­se­nat hält an sei­ner gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung 2 fest; danach steht eine Behand­lungs­dau­er von mehr als zwei Jah­ren einer kon­kre­ten Erfolgs­aus­sicht jeden­falls nicht grund­sätz­lich ent­ge­gen.

Die Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – The­ra­pie­dau­er und kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht

Eine strik­te Begren­zung der Unter­brin­gungs­dau­er auf zwei Jah­re mit der Fol­ge der gene­rel­len Aus­sichts­lo­sig­keit bei abseh­bar eine län­ge­re Dau­er erfor­dern­den Unter­brin­gun­gen lässt sich dem Gesetz­wort­laut nicht ent­neh­men 3. § 67d Abs. 1 Satz 1 StGB ent­hält gera­de kei­ne star­re Beschrän­kung der Unter­brin­gungs­dau­er; die Vor­schrift ist viel­mehr im Zusam­men­hang mit § 67d Abs. 1 Satz 3 StGB zu sehen, der aus­drück­lich eine Ver­län­ge­rung der Zwei­jah­res­frist vor­sieht.

Eine sol­che Begren­zung lässt sich auch nicht mit sys­te­ma­ti­schen Erwä­gun­gen begrün­den, fin­det in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en kei­nen Nie­der­schlag 4 und wider­strei­tet dem Geset­zes­zweck, die All­ge­mein­heit bei Bedarf auch durch im Ein­zel­fall zwei Jah­re über­stei­gen­de The­ra­pie vor gefähr­li­chen Tätern zu schüt­zen 5.

Ins­be­son­de­re ergä­ben sich im Vor­feld und in Kon­kur­renz zu schwe­re­ren frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­re­geln (§§ 63, 66 StGB) prin­zi­pi­el­le Sper­ren gegen unter Umstän­den kon­kret aus­sichts­rei­che län­ge­re Ent­zugs­the­ra­pi­en. Die­se wären – gera­de auch im Blick auf § 72 StGB – mit dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz schwer­lich ver­ein­bar und wider­sprä­chen in Fäl­len der Siche­rungs­ver­wah­rung dem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 6 initi­ier­ten gesetz­li­chen Kon­zept, Siche­rungs­ver­wah­rung durch indi­vi­du­el­le und inten­si­ve The­ra­pie ver­meid­bar zu machen (vgl. § 66c Abs. 2 StGB).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. April 2014 – 5 StR 37/​14

  1. in die­sem Sin­ne BGH, Urtei­le vom 11.03.2010 – 3 StR 538/​09, JR 2010, 500; vom 20.12 2012 – 3 StR 377/​12, StV 2013, 698; vom 27.03.2013 – 2 StR 384/​12, StV 2013, 698; vom 16.01.2014 – 4 StR 496/​13; Beschlüs­se vom 17.04.2012 – 3 StR 65/​12, BGHR StGB § 64 Abs. 2 Erfolgs­aus­sicht 1; vom 17.07.2012 – 4 StR 223/​12, Stra­Fo 2012, 413; vom 08.08.2012 – 2 StR 279/​12, NStZ-RR 2013, 7[]
  2. BGH, Beschluss vom 06.02.1996 – 5 StR 16/​96[]
  3. vgl. van Gemme­ren aaO Rn. 73 mwN[]
  4. vgl. BT-Drs. IV/​650, S. 218, sie­he auch BT-Drs. V/​4095, S. 33[]
  5. vgl. dazu auch Trenck­mann, JR 2010, 501[]
  6. BVerfGE 128, 326[]