Die Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Urteilsgründe

Die Unter­brin­gung des Ange­klag­ten in einer Ent­zie­hungs­an­stalt nach § 64 StGB kann kei­nen Bestand haben, wenn das Land­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung im Hin­blick auf die hin­rei­chend kon­kre­te Erfolgs­aus­sicht einer The­ra­pie nicht in der gebo­te­nen Wei­se nach­voll­zieh­bar darstellt.

Die Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Urteilsgründe

So hat sich das Land­ge­richt im hier ent­schie­de­nen Fall mit etli­chen Risi­ko­fak­to­ren in der Per­son des Ange­klag­ten für einen The­ra­pie­er­folg, wie sei­nen lang­jäh­ri­gen und poly­va­len­ten Sub­stanz­mit­tel­miss­brauch sowie sei­ne fes­te Struk­tu­ren ver­mei­den­de Lebens­wei­se, nicht aus­ein­an­der­ge­setzt. Soweit das Land­ge­richt im Hin­blick auf die feh­len­de Auf­ent­halts­er­laub­nis des erheb­lich vor­be­straf­ten, in sei­nem Hei­mat­land ver­lob­ten und nur weni­ge Mona­te nach sei­ner Wie­der­ein­rei­se erneut straf­fäl­lig gewor­de­nen Ange­klag­ten gemeint hat, den damit ver­bun­de­nen Hin­der­nis­sen in der Umset­zung der The­ra­pie­kon­zep­te und dem nicht mög­li­chen Auf­bau von eine absti­nen­te Lebens­wei­se stüt­zen­den Struk­tu­ren nach der Ent­las­sung allein mit dem Hin­weis auf die Mög­lich­keit einer „rein intra­mu­ra­len“ Behand­lung, begeg­nen zu kön­nen, genügt es den Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen nicht, zumal es ver­ab­säumt hat, die the­ra­peu­ti­schen Aus­wir­kun­gen einer sol­chen Behand­lung näher dar­zu­stel­len1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2021 – 5 StR 4/​21

  1. vgl. auch BT-Drs. 16/​5137, S. 10; 16/​1344, S. 12 f.; BGH, Urtei­le vom 25.04.2018 – 2 StR 14/​18 mwN; vom 18.12.2007 – 1 StR 411/​07, StV 2008, 138, 139[]

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