Die gefälsch­te Urkun­de – und der unter­blie­be­ne Augen­schein

§ 261 StPO ist ver­letzt, wenn der erfor­der­li­che Augen­schein einer Urkun­de nicht statt­ge­fun­den hat.

Die gefälsch­te Urkun­de – und der unter­blie­be­ne Augen­schein

Im vor­lie­gen­den Fall waren für die rich­ter­li­che Über­zeu­gung das äuße­re Erschei­nungs­bild und die Beschaf­fen­heit der vor­ge­nann­ten Urkun­den maß­geb­lich. Inso­weit han­del­te es sich bei den Urkun­den aber um Gegen­stän­de des Augen­scheins 1, die pro­zess­ord­nungs­ge­mäß durch Inaugen­sch­ein­nah­me in die Haupt­ver­hand­lung hät­ten ein­ge­führt wer­den müs­sen.

Eine sol­che ist hier aber nicht erfolgt: Die Ver­le­sung der Urkun­de oder ihr Vor­halt im Rah­men der Zeu­gen­ein­ver­nah­men betref­fen allein ihren Inhalt, nicht aber ihr äuße­res Erschei­nungs­bild. Dies gilt im beson­de­ren Maße für den äußer­li­chen Ver­gleich von ver­schie­de­nen Per­so­nen vor­ge­leg­ten Urkun­den.

Auf die­sem Ver­fah­rens­feh­ler beruh­te das vor­lie­gen­de Urteil. Das Land­ge­richt hat die Über­füh­rung des Ange­klag­ten jeden­falls auch auf die aus dem äuße­ren Erschei­nungs­bild gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen gestützt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2016 – 1 StR 316/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.04.1999 – 1 StR 107/​99, NStZ 1999, 424; vom 30.08.2011 – 2 StR 652/​10, NJW 2011, 3733; und vom 12.12 2013 – 3 StR 267/​13, NStZ 2014, 606 [607]; Münch­Komm-StPO/­Mie­bach, 1. Aufl., § 261 StPO, Rn. 47[]