Die unwirk­sa­me Ver­fah­rens­ver­bin­dung – und ihre Hei­lung

Ein Ver­bin­dungs­be­schluss ist rechts­un­wirk­sam, wenn die Ver­bin­dung nicht nur die ört­li­che, son­dern auch die sach­li­che Zustän­dig­keit betrifft.

Die unwirk­sa­me Ver­fah­rens­ver­bin­dung – und ihre Hei­lung

Denn in einem sol­chen Fall kann die Ver­bin­dung nicht durch Ver­ein­ba­rung der betei­lig­ten Gerich­te (§ 13 Abs. 2 StPO) her­bei­ge­führt wer­den. Erfor­der­lich ist dann viel­mehr gemäß § 4 Abs. 2 StPO die Ent­schei­dung des gemein­schaft­li­chen obe­ren Gerichts.

Die­ser Man­gel ist gemäß § 6 StPO vom Revi­si­ons­ge­richt von Amts wegen zu beach­ten 1. Dem steht auch die Teil­rechts­kraft des erst­in­stanz­li­chen Urteils des Amts­ge­richts Mann­heim nicht ent­ge­gen 2.

Die nicht wirk­sam gewor­de­ne Ver­bin­dung der Ver­fah­ren kann der Bun­des­ge­richts­hof (hier: als für die Ver­bin­dung zustän­di­ges Gericht) jedoch nicht nach­ho­len. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof eine Ver­fah­rens­ver­bin­dung in der Revi­si­ons­in­stanz nach­ge­holt hat, war er nicht nur – anders als hier – zugleich als Revi­si­ons­ge­richt auch Spruch­kör­per des gemein­schaft­li­chen obe­ren Gerichts nach § 4 Abs. 2 Satz 2 StPO. Er hat eine nach­träg­li­che Ver­bin­dung von Ver­fah­ren zudem auch auf Fäl­le beschränkt, in denen die­se zu dem Zweck erfolgt, die Sache inso­weit einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung zuzu­füh­ren 3.

Dem schließt sich der Bun­des­ge­richts­hof an. Eine nach­träg­li­che "Hei­lung" feh­len­der Zustän­dig­keit durch den nicht gleich­zei­tig als Revi­si­ons­ge­richt zustän­di­gen Bun­des­ge­richts­hof in einer Viel­zahl von Fäl­len wür­de Ver­stö­ße gegen § 4 Abs. 2 StPO weit­ge­hend sank­ti­ons­los las­sen und des­sen Anwen­dungs­be­reich damit unan­ge­mes­sen ein­schrän­ken. Nur in eng begrenz­ten Aus­nah­me­fäl­len hält der Bun­des­ge­richts­hof die Nach­ho­lung einer Ver­fah­rens­ver­bin­dung in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 4 Abs. 2 StPO für zuläs­sig, näm­lich wenn das Revi­si­ons­ver­fah­ren bei ihm anhän­gig ist und durch die­se Ver­fah­rens­wei­se unter Aus­schluss jeg­li­cher Beschwer für den Ange­klag­ten end­gül­tig erle­digt wer­den kann.

Dies setzt vor­aus, dass das Ver­fah­ren, soweit es infol­ge unwirk­sa­mer Ver­fah­rens­ver­bin­dung an einer Verfahrens(oder: Sachur­teils) Vor­aus­set­zung fehlt, gemäß § 154 Abs. 2 StPO ein­ge­stellt und zugleich ins­ge­samt nach § 349 Abs. 2 StPO ver­fah­ren wer­den kann 4.

Infol­ge der Unwirk­sam­keit des Ver­bin­dungs­be­schlus­ses ist das zum abge­ben­den Gericht ange­klag­te Ver­fah­ren dort rechts­hän­gig geblie­ben. Das Revi­si­ons­ge­richt wird das ange­foch­te­ne Urteil des­halb inso­weit auf­zu­he­ben und die Sache in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 355 StPO an das abge­ben­de Amts­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen haben 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Okto­ber 2018 – 2 ARs 311/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 08.08.2001 – 2 StR 285/​01 m.w.N.[]
  2. vgl. MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 337 Rn. 6 m.w.N.[]
  3. BGH, aaO; dage­gen kei­ne Ver­fah­rens­ver­bin­dung: BGH, Beschluss vom 25.04.2007 – 2 StR 25/​07 –, Stra­Fo 2007, 327[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 29.11.1996 – 2 StR 585/​96, aaO; und vom 08.08.2001 – 2 StR 285/​01, aaO[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 17.07.2018 – 4 StR 145/​18; BGH, Beschluss vom 25.04.2007 – 2 StR 25/​07, Stra­Fo 2007, 327[]