Die Ver­ge­wal­ti­gung durch den Mit­tä­ter

Auch ein Mit­tä­ter hat den Tat­be­stand des § 179 Abs. 1 Nr. 1 StGB voll­endet, obgleich er selbst "aus einer plötz­li­chen Unlust her­aus" mit der Neben­klä­ge­rin den zunächst beab­sich­tig­ten Geschlechts­ver­kehr nicht mehr "eigen­hän­dig" aus­führ­te 1, son­dern ledig­lich mit Inter­es­se und Kom­men­tar den Voll­zug des Geschlechts­ver­kehrs durch den Mit­an­ge­klag­ten ver­folg­te.

Die Ver­ge­wal­ti­gung durch den Mit­tä­ter

Dass bei­de Täter ihr Opfer gemein­sam in das Schlaf­zim­mer brach­ten und ihr dort Schu­he, Hose und Slip aus­zo­gen, um unter Aus­nut­zung ihrer Wider­stands­un­fä­hig­keit nach­ein­an­der und jeweils in Gegen­wart des Mit­tä­ters den Geschlechts­ver­kehr mit ihr durch­zu­füh­ren, stellt für sich schon eine voll­ende­te sexu­el­le Hand­lung im Sin­ne des § 179 Abs. 1 i.V.m. § 184h Nr. 1 StGB dar. Eine sol­che liegt immer dann vor, wenn die Hand­lung objek­tiv, also allein gemes­sen an ihrem äuße­ren Erschei­nungs­bild, einen ein­deu­ti­gen Sexu­al­be­zug auf­weist 2. Dies war hier zwei­fels­frei schon bei der Ent­blö­ßung des Unter­kör­pers der Geschä­dig­ten der Fall.

Da bei äußer­lich ein­deu­ti­gen Hand­lun­gen nach stän­di­ger Recht­spre­chung die sub­jek­ti­ve Ziel­rich­tung des Täters für die Ein­ord­nung als sexu­el­le Hand­lung kei­ne Bedeu­tung hat 3, kommt es vor­lie­gend auch nicht dar­auf an, ob die Ent­klei­dung der Geschä­dig­ten dem Tat­plan des Ange­klag­ten ent­spre­chend dazu dien­te, sich schon hier­durch geschlecht­li­che Erre­gung zu ver­schaf­fen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. März 2015 – 5 StR 521/​14

  1. Münch­Komm-StG­B/­Ren­zi­kow­ski, 2. Aufl., § 179 Rn. 3; Eisele in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 179 Rn. 8[]
  2. BGH, Urtei­le vom 24.09.1980 – 3 StR 255/​80, BGHSt 29, 336, 338; vom 20.12 2007 – 4 StR 459/​07, NStZ-RR 2008, 339, 340; und vom 22.10.2014 – 5 StR 380/​14, NJW 2014, 3737, 3738 mwN[]
  3. vgl. BGH, aaO[]
  4. vgl. Laufhütte/​Roggenbuck in LK, StGB, 12. Aufl., § 184g Rn. 5 f.; Münch­Komm-StG­B/­Hörn­le, 2. Aufl., § 184g Rn. 6 mwN; Münch­Komm-StG­B/­Ren­zi­kow­ski, aaO, § 177 Rn. 55; offen­ge­las­sen von BGH, Urteil vom 04.08.2004 – 5 StR 134/​04, NStZ 2005, 90, 91; aA noch BGH, Beschluss vom 13.02.1997 – 4 StR 648/​96, NStZ-RR 1997, 292 mwN[]