Die Ver­let­zung durch einen nicht ange­lein­ten Hund

Wird ein Schä­fer­hund, der nicht aufs Wort hört, in einem Wohn­ge­biet nicht ange­leint spa­zie­ren geführt, liegt eine Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung des Hun­de­hal­ters vor. Greift der Hund in der Fol­ge einen Spa­zier­gän­ger an und kommt es zu einer Ver­let­zung, kann der Hun­de­hal­ter sich wegen einer fahr­läs­si­gen Kör­per­ver­let­zung schul­dig gemacht haben.

Die Ver­let­zung durch einen nicht ange­lein­ten Hund

So hat das Land­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Hun­de­hal­ters aus Qua­ken­brück ent­schie­den und ihn wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung zu einer Geld­stra­fe von 500,00 € verurteilt.

Im Okto­ber 2019 ging eine Frau aus Qua­ken­brück mit ihren Ein­käu­fen nach Hau­se. Dabei kam sie an dem Grund­stück des Ange­klag­ten in einem Qua­ken­brü­cker Wohn­ge­biet vor­bei. In die­sem Moment ver­ließ der Ange­klag­te mit sei­nen bei­den nicht ange­lein­ten Schä­fer­hun­den sein Haus, um mit Ihnen spa­zie­ren zu gehen. Die Hun­de sahen die Frau und lie­fen auf sie zu. Der Ange­klag­te rief die Hun­de umge­hend zurück. Doch nur einer von ihnen gehorch­te und kehr­te zu ihm zurück, bevor er die Frau erreicht hat­te. Die Anwei­sun­gen des Ange­klag­ten wur­den vom zwei­ten Hund igno­riert. Der Hund sprang dann in Rich­tung der Frau, die ihn mit­hil­fe ihrer Ein­kaufs­ta­sche abweh­ren woll­te. Dabei kam die Frau zu Fall. Durch den Sturz erlitt sie unter ande­rem eine Hals­wir­bel­dis­tor­si­on und eine Kopf­prel­lung. Erst als sie am Boden lag, gelang es dem Ange­klag­ten, den Hund zu packen und in das Haus zurückzubringen.

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Auf­grund die­ses Vor­falls hat die Frau Straf­an­trag gegen den Hun­de­hal­ter gestellt. Die Staats­an­walt­schaft Osna­brück erhob dar­auf­hin Ankla­ge wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung. Nach­dem das Amts­ge­richt Ber­sen­brück den Hun­de­hal­ter zu einer Geld­stra­fe von 20 Tages­sät­zen zu je 40,00 € wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung ver­ur­teilt hat­te, leg­te der Betrof­fe­ne Beru­fung ein. Er bestritt, dass die Hun­de über­haupt auf die Stra­ße gelau­fen sei­en. Sie hät­ten statt­des­sen nur in sei­nem Wohn­zim­mer gebellt. Dabei müs­se sich wohl die ver­letz­te Frau erschro­cken haben und gestürzt sein.

Die­ser Schil­de­rung hat sich das Land­ge­richt Osna­brück nicht ange­schlos­sen, son­dern der Ver­si­on der ver­letz­ten Frau geglaubt, wonach die Hun­de auf sie zuge­lau­fen waren und der eine Hund jeden­falls in ihre Rich­tung gesprun­gen war. Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Osna­brück hat sich der Ange­klag­te dabei der fahr­läs­si­gen Kör­per­ver­let­zung schul­dig gemacht. Damit ist die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Ber­sen­brück bestä­tigt wor­den. Zur Begrün­dung hat das Land­ge­richt Osna­brück aus­ge­führt, dass der Ange­klag­te in der Situa­ti­on sei­ne Sorg­falts­pflich­ten als Hun­de­hal­ter ver­letzt hat­te. Er hät­te nicht mit einem grö­ße­ren Hund, kon­kret einem Schä­fer­hund, in einem Wohn­ge­biet spa­zie­ren gehen dür­fen, obwohl die­ser nicht aufs Wort hör­te. Zumin­dest hät­te der Ange­klag­te den unge­hor­sa­men Hund vor­sorg­lich anlei­nen müs­sen, was er nicht getan hat­te. Die­ses sorg­falts­wid­ri­ge Ver­hal­ten des Ange­klag­ten habe nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Osna­brück das abseh­ba­re Risi­ko geschaf­fen, dass der Hund sich wie im kon­kre­ten Fall ande­ren Per­so­nen unkon­trol­liert nähern könn­te. Dass die­se Per­so­nen dann bei instink­ti­ven Abwehr­re­ak­tio­nen stür­zen und sich ver­letz­ten könn­ten, hät­te der Ange­klag­te vor­her­se­hen können.

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Wäh­rend auch die kon­kre­te Höhe der vom Amts­ge­richt ver­häng­ten Geld­stra­fe von 20 Tages­sät­zen bestä­tig­te wur­de, redu­zier­te das Land­ge­richt Osna­brück die Höhe des ein­zel­nen Tages­sat­zes auf 25,00 €, weil sich die Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des Ange­klag­ten zwi­schen­zeit­lich ver­schlech­tert hat­ten. Der Ange­klag­te muss nun also ins­ge­samt 500,00 € Geld­stra­fe zahlen.

Land­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 20. Janu­ar 2021 – 5 Ns 112/​20

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