Die unter­blie­be­ne Ver­mö­gens­ab­schöp­fung – und die ein­ge­schränk­te Revi­si­on

Die Beschrän­kung der Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft auf das Unter­blei­ben von Maß­nah­men der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung gegen die Ange­klag­ten ist wirk­sam, weil weder zwi­schen den Schuld­sprü­chen und der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung noch zwi­schen die­ser und den Straf­aus­sprü­chen ein untrenn­ba­rer Zusam­men­hang besteht.

Die unter­blie­be­ne Ver­mö­gens­ab­schöp­fung – und die ein­ge­schränk­te Revi­si­on

An die­ser bereits hin­sicht­lich des bis zum 30.06.2017 gel­ten­den Rechts ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung 1 hält der Bun­des­ge­richts­hof für das hier anwend­ba­re neue Recht (Art. 316h Satz 1 EGStGB) fest.

Auch nach der Neu­re­ge­lung der straf­recht­li­chen Ver­mö­gens­ab­schöp­fung hat die­se mit Aus­nah­me der Ein­zie­hung gemäß §§ 74, 74a StGB – wie bereits nach vor­ma­li­gem Recht – kei­nen stra­fen­den oder stra­f­ähn­li­chen Cha­rak­ter 2. Mit der Ein­zie­hung von Tat­erträ­gen (§ 73 StGB) oder deren Wert­er­satz (§ 73c StGB) reagiert das Gesetz auf eine Stö­rung der Ver­mö­gens­ord­nung durch einen "kor­ri­gie­ren­den und norm­be­kräf­ti­gen­den Ein­griff".

An die­sem durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits dem vor­ma­li­gen Recht der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung zuge­schrie­be­nen Rechts­cha­rak­ter 3 hat der Reform­ge­setz­ge­ber fest­ge­hal­ten 4. Der kon­dik­ti­ons­ähn­li­che und gera­de nicht pöna­le Cha­rak­ter der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung in Gestalt der vor­lie­gend allein frag­li­chen Wert­er­satz­ein­zie­hung (§ 73c StGB) ist im neu­en Recht vor allem durch die in § 73d Abs. 1 StGB eröff­ne­ten Abzugs­mög­lich­kei­ten für Auf­wen­dun­gen sogar noch ver­stärkt wor­den. Nach den im Geset­zes­wort­laut von § 73d Abs. 1 StGB ein­deu­tig zum Aus­druck kom­men­den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers bezweckt die Vor­schrift gera­de den Aus­schluss ansons­ten in Fol­ge der (Fort)Geltung des Brut­to­prin­zips denk­ba­rer stra­f­ähn­li­cher Wir­kun­gen der Wert­er­satz­ein­zie­hung 5.

Durch die Aus­ge­stal­tung der Abzugs­mög­lich­kei­ten wird unter Rück­griff auf berei­che­rungs­recht­li­che Grund­sät­ze aus § 817 Satz 2 BGB sicher­ge­stellt, dass Auf­wen­dun­gen der von der Abschöp­fung betrof­fe­nen Tat­be­tei­lig­ten für selbst nicht zu bean­stan­den­de Leis­tun­gen sogar dann vom Wert des Erlang­ten abzu­zie­hen sind, wenn die Auf­wen­dun­gen in dem­sel­ben tat­säch­li­chen Ver­hält­nis ange­fal­len sind wie der straf­recht­lich miss­bil­lig­te Vor­gang 6.

Wegen der feh­len­den Straf­na­tur der Ein­zie­hung des Wert­er­sat­zes von Tat­erträ­gen kann daher grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen wer­den, dass bei Anord­nung der Ver­mö­gens­ab­schöp­fung nied­ri­ge­re Stra­fen ver­hängt wür­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Mai 2018 – 1 StR 651/​17

  1. sie­he nur BGH, Urtei­le vom 17.06.2010 – 4 StR 126/​10, BGHSt 55, 174, 175 Rn. 3 mwN; und vom 15.05.2013 – 1 StR 476/​12, NStZ-RR 2013, 279 f.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2004 – 2 BvR 564/​95, BVerfGE 110, 1, 14 ff. zu Ver­fall und erwei­ter­tem Ver­fall nach bis­he­ri­gem Recht[]
  3. BVerfG aaO, BVerfGE 110, 1, 22[]
  4. vgl. BT-Drs. 18/​11640 S. 82[]
  5. vgl. BT-Drs. 18/​9525 S. 68; Köh­ler NStZ 2017, 497, 502[]
  6. näher dazu Köh­ler NStZ 2017, 497, 504 ff.; Rönnau/​Begemann GA 2017, 1, 11 ff.[]