Die rich­ter­li­che Ver­neh­mung der Opfer­zeu­gin – und die Anord­nung der Vor­füh­rung der Auf­zeich­nung

Die Ent­schei­dung, die per­sön­li­che Ver­neh­mung (§ 250 StPO) einer Zeu­gin durch Vor­füh­rung der Bild­Ton­Auf­zeich­nung ihrer rich­ter­li­chen Ver­neh­mung zu erset­zen, muss durch gericht­li­chen Beschluss und nicht durch eine blo­ße Anord­nung des Vor­sit­zen­den getrof­fen wer­den.

Die rich­ter­li­che Ver­neh­mung der Opfer­zeu­gin – und die Anord­nung der Vor­füh­rung der Auf­zeich­nung

Durch den Wort­laut der seit dem 1.09.2013 gel­ten­den Fas­sung des § 255a StPO ist klar­ge­stellt, dass Ent­schei­dun­gen nach § 255a Abs. 2 StPO nicht der Vor­sit­zen­de, son­dern das Gericht nach einer Inter­es­sen­ab­wä­gung zu tref­fen hat1. Soweit zur zuvor gel­ten­den Geset­zes­fas­sung ange­nom­men wur­de, es genü­ge die Anord­nung des Vor­sit­zen­den2, ist die­se Ansicht nun­mehr obso­let3.

Der Ver­stoß gegen das Beschluss­erfor­der­nis kann mit der Revi­si­on als eigen­stän­di­ge Ver­let­zung von Ver­fah­rens­recht gerügt wer­den4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Okto­ber 2018 – 3 StR 256/​18

  1. vgl. auch Beck­OK StPO/​Berg, § 255a Rdn. 17.1; LöweRosenberg/​Mosbacher, Nach­trag zu § 255a Rdn. 10; a.A. MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 255a Rdn. 11 []
  2. vgl. BGH NStZ 2011, 712; a. A. KKDie­mer, StPO, 7. Aufl., § 255a Rdn. 14 []
  3. vgl. Beck­OK StPO/​Berg, a. a. O.; LöweRosenberg/​Mosbacher, a. a. O []
  4. vgl. Münch­Komm-StPO/Krü­ger, § 255a Rdn. 44; Beck­OK StPO/​Berg, § 255a Rdn. 18 []