Die ver­sag­te Ein­sicht in die Bedie­nungs­an­lei­tung eines Geschwin­dig­keits­mess­ge­räts

Wird einem Betrof­fe­nen vom Tatrich­ter die Ein­sicht in die Bedie­nungs­an­lei­tung eines Geschwin­dig­keits­mess­ge­räts ver­sagt, ist im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren regel­mä­ßig vor­zu­tra­gen, wel­che Tat­sa­chen sich aus der Bedie­nungs­an­lei­tung hät­ten ablei­ten las­sen und wel­che Kon­se­quen­zen sich für die Ver­tei­di­gung hier­aus erge­ben hät­ten (§ 79 Abs. 3 OWiG i. V. m. § 344 Abs. 2 S. 2 StPO).

Die ver­sag­te Ein­sicht in die Bedie­nungs­an­lei­tung eines Geschwin­dig­keits­mess­ge­räts

Sofern eine kon­kre­te Benen­nung die­ser Tat­sa­chen man­gels Zugriffs auf die Bedie­nungs­an­lei­tung nicht mög­lich ist, muss sich der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung jeden­falls ent­neh­men las­sen, wel­che Anstren­gun­gen der Ver­tei­di­ger bis zum Ablauf der Frist zur Erhe­bung der Ver­fah­rens­rüge (= Rechts­be­schwer­de­be­grün­dungs­frist) unter­nom­men hat, um sich Ein­sicht in die Bedie­nungs­an­lei­tung zu ver­schaf­fen [1].

Im vor­lie­gen­den Fall genüg­te die Ver­fah­rens­rüge, mit der der Betrof­fe­ne eine Ver­let­zung des Prin­zips des fai­ren Ver­fah­rens [2] und zugleich der Beschrän­kung der Ver­tei­di­ger­rech­te (§ 338 Nr. 8 StPO) rügt, nicht den sich aus § 79 Abs. 3 OWiG i. V. m. § 344 Abs. 2 S. 2 StPO erge­ben­den Anfor­de­run­gen: Eine sol­che unzu­läs­si­ge Beschrän­kung der Ver­tei­di­gung liegt nur dann vor, wenn die Mög­lich­keit eines kau­sa­len Zusam­men­hangs zwi­schen dem Ver­fah­rens­ver­stoß und dem Urteil besteht. Wird einem Betrof­fe­nen – wie hier – die Ein­sicht in die Bedie­nungs­an­lei­tung eines Geschwin­dig­keits­mess­ge­räts ver­sagt, ist des­halb regel­mä­ßig vor­zu­tra­gen, wel­che Tat­sa­chen sich aus der Bedie­nungs­an­lei­tung hät­ten ablei­ten las­sen und wel­che Kon­se­quen­zen sich für die Ver­tei­di­gung hier­aus erge­ben hät­ten. Sofern eine kon­kre­te Benen­nung die­ser Tat­sa­chen man­gels Zugriffs auf die Bedie­nungs­an­lei­tung nicht mög­lich ist, muss sich der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung jeden­falls ent­neh­men las­sen, wel­che Anstren­gun­gen der Ver­tei­di­ger bis zum Ablauf der Frist zur Erhe­bung der Ver­fah­rens­rüge (= Rechts­be­schwer­de­be­grün­dungs­frist) unter­nom­men hat, um sich Ein­sicht in die Bedie­nungs­an­lei­tung zu ver­schaf­fen [3].

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 12. Mai 2014 – 1 Ss (OWi) 34/​14

  1. Anschluss: OLG Cel­le, Beschluss vom 28.03.2013 – 311 SsRs 9/​13, ZfSch 2013, 412; OLG Cel­le, Beschluss vom 10.06.2013 – 311 SsRs 98/​13, ZfSch 2013, 652[]
  2. dazu: Czer­ni­ak, Pro­zes­sua­le Anfor­de­run­gen an den Nach­weis von Ver­kehrs­ver­stö­ßen, ZfSch 2012, 664, 673[]
  3. OLG Cel­le, Beschluss vom 28.03.2013 – 311 SsRs 9/​13, ZfSch 2013, 412; OLG Cel­le, Beschluss vom 10.06.2013 – 311 SsRs 98/​13, ZfSch 2013, 652[]