Die ver­such­te Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge

In der Recht­spre­chung ist aner­kannt, dass der Ver­such einer Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge als „erfolgs­qua­li­fi­zier­ter Ver­such“ dann vor­lie­gen kann, wenn das Grund­de­likt ledig­lich ver­sucht und dadurch fahr­läs­sig die Todes­fol­ge ver­ur­sacht wird [1].

Die ver­such­te Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge

Für das unmit­tel­ba­re Anset­zen zur Tat ist nicht erfor­der­lich, dass der Täter bereits ein Tat­be­stands­merk­mal ver­wirk­licht. Es genügt, dass er Hand­lun­gen vor­nimmt, die nach sei­nem Tat­plan der Erfül­lung eines Tat­be­stands­merk­mals vor­ge­la­gert sind und in die Tat­be­stands­hand­lung unmit­tel­bar ein­mün­den, die mit­hin – aus der Sicht des Täters – das geschütz­te Rechts­gut in eine kon­kre­te Gefahr brin­gen.

Dem­entspre­chend erstreckt sich das Ver­suchs­sta­di­um auf Hand­lun­gen, die im unge­stör­ten Fort­gang unmit­tel­bar zur Tat­be­stands­er­fül­lung füh­ren sol­len oder die im unmit­tel­ba­ren räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang mit ihr ste­hen. Dies ist der Fall, wenn der Täter sub­jek­tiv die Schwel­le zum „jetzt geht es los“ über­schrei­tet und objek­tiv zur tat­be­stands­mä­ßi­gen Angriffs­hand­lung ansetzt, so dass sein Tun ohne Zwi­schen­ak­te in die Tat­be­stands­er­fül­lung über­geht [2].

Anders als bei Fahr­läs­sig­keits­de­lik­ten bedarf es bei der Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge nicht des Nach­wei­ses, dass ein jeder von meh­re­ren Betei­lig­ten einen für den Erfolg kau­sa­len Bei­trag erbracht hat. Es macht sich nach § 227 StGB auch der­je­ni­ge straf­bar, der die Ver­let­zung nicht mit eige­ner Hand aus­führt, jedoch auf­grund eines gemein­schaft­li­chen Tatent­schlus­ses mit dem Wil­len zur Tat­herr­schaft zum Ver­let­zungs­er­folg bei­trägt. Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass – wie vor­lie­gend fest­ge­stellt – die Hand­lung des ande­ren im Rah­men des all­sei­ti­gen aus­drück­li­chen oder still­schwei­gen­den Ein­ver­ständ­nis­ses lag [3].

Für die Vor­her­seh­bar­keit des Todes­er­fol­ges reicht es aus, dass der Erfolg nicht außer­halb aller Lebens­er­fah­rung liegt; alle kon­kre­ten Ein­zel­hei­ten brau­chen dabei nicht vor­aus­seh­bar zu sein. Es genügt die Vor­her­seh­bar­keit des Erfolgs im All­ge­mei­nen [4].

Dabei ist eine pani­sche Flucht eines poten­zi­el­len Gewalt­op­fers, wel­ches eine hef­ti­ge Atta­cke und eine mas­si­ve Gewalt­an­wen­dung auf sich befürch­tet, eben­so vor­her­seh­bar wie der Umstand, dass das Opfer bei die­ser hek­ti­schen Flucht stürzt und sich töd­lich am Kopf ver­letzt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2019 – 1 StR 191/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 09.10.2002 – 5 StR 42/​02 Rn. 38, BGHSt 48, 34, 37 f.; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 227 Rn. 8[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 25.10.2012 – 4 StR 346/​12 Rn. 14; und vom 20.03.2013 – 3 StR 424/​13 Rn. 8 f., jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.10.2002 – 5 StR 42/​02 Rn. 41, BGHSt 48, 34, 39 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 16.03.2006 – 4 StR 536/​05, BGHSt 51, 18 Rn. 10; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 227 Rn. 7a[]