Die vom Vor­satz nicht umfass­te BTM-Teil­men­ge

Hat der Täter Betäu­bungs­mit­tel vor­sätz­lich ein­ge­führt oder vor­sätz­lich damit Han­del getrie­ben, schei­det eine tat­ein­heit­li­che fahr­läs­si­ge Ein­fuhr von oder ein tat­ein­heit­li­ches fahr­läs­si­ges Han­del­trei­ben mit einer vom Vor­satz nicht erfass­ten Teil­men­ge die­ser Betäu­bungs­mit­tel durch die­sel­be Hand­lung aus. § 29 Abs. 4 BtMG kommt dann nicht zur Anwen­dung.

Die vom Vor­satz nicht umfass­te BTM-Teil­men­ge

Die­sel­be Tat­hand­lung kann bei Ver­let­zung des­sel­ben Rechts­guts nicht gleich­zei­tig als vor­sätz­li­che und als fahr­läs­si­ge ange­se­hen wer­den 1. Vor­satz und Fahr­läs­sig­keit schlie­ßen ein­an­der schon begriff­lich aus, sie ste­hen aller­dings in einem nor­ma­ti­vethi­schen Stu­fen­ver­hält­nis 2, so dass bei unkla­rer Beweis­la­ge nach dem Grund­satz „in dubio pro reo“ wegen Fahr­läs­sig­keit ver­ur­teilt wer­den kann 3. Eine Ide­al­kon­kur­renz zwi­schen vor­sätz­li­chem und fahr­läs­si­gem Ver­hal­ten ent­steht bei einer Hand­lung nicht dadurch, dass der Täter die Fol­gen des Ver­hal­tens nur teil­wei­se gewollt und teil­wei­se fahr­läs­sig her­bei­ge­führt hat 4. Selbst bei einem zwei­ak­ti­gen Tat­ge­sche­hen ist die fahr­läs­si­ge Bege­hung eines Delikts gegen­über der am sel­ben Objekt began­ge­nen voll­ende­ten vor­sätz­li­chen im Schuld­spruch nicht zum Aus­druck zu brin­gen. Viel­mehr ist die fahr­läs­si­ge Bege­hungs­form sub­si­di­är 5.

Ist die Ein­fuhr von oder das Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln durch eine Hand­lung vor­sätz­lich vor­ge­nom­men wor­den, schei­det eine durch Fahr­läs­sig­keit her­bei­ge­führ­te Ein­fuhr von oder ein fahr­läs­si­ges Han­del­trei­ben mit der­sel­ben Rausch­gift­men­ge durch die­se Hand­lung aus. § 29 Abs. 4 BtMG kommt dann nicht zur Anwen­dung.

Im vor­lie­gen­den Fall liegt bezüg­lich der Gesamt­men­ge des in dem Trans­por­ter ver­steck­ten Rausch­gifts ledig­lich eine Hand­lung des Ange­klag­ten vor: Er hat den Wagen unver­schlos­sen abge­stellt und ist spä­ter mit dem dar­in von ande­ren ein­ge­bau­ten Rausch­gift nach Deutsch­land gefah­ren. Die­se Hand­lung lässt sich nach dem oben Aus­ge­führ­ten nicht des­halb in zwei tat­ein­heit­li­che Delik­te auf­spal­ten, weil der Ange­klag­te hin­sicht­lich der Men­ge des trans­por­tier­ten Rausch­gifts teil­wei­se vor­sätz­lich und teil­wei­se fahr­läs­sig gehan­delt hat. Zwar kön­nen sich ver­schie­de­ne Straf­tat­be­stän­de des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes auf Teil­men­gen einer Gesamt­rausch­gift­men­ge bezie­hen, etwa beim Erwerb von Rausch­gift zum Eigen­kon­sum und zum Han­del­trei­ben. Im vor­lie­gen­den Fall kämen aber nicht hin­sicht­lich der Tat­hand­lung ver­schie­de­ne Tat­be­stän­de, son­dern nur sol­che zur Anwen­dung, die sich allein in der Schuld­form unter­schei­den. Inso­weit schei­det eine Auf­tei­lung aus. Für eine Aus­ur­tei­lung des fahr­läs­sig ver­ur­sach­ten zusätz­li­chen Erfol­ges im Schuld­spruch besteht auch kein kri­mi­nal­po­li­ti­sches Bedürf­nis. Bei der Straf­zu­mes­sung kann die Ein­fuhr einer grö­ße­ren Men­ge, als der Täter sich vor­ge­stellt hat, im Fal­le fahr­läs­si­gen Han­delns ohne­hin straf­schär­fend berück­sich­tigt wer­den 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2011 – 4 StR 576/​10

  1. RGSt 16, 129; BGH, Beschluss vom 16.06.1997 – 2 StR 231/​97, NStZ 1997, 493[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.08.1983 – 4 StR 142/​82, BGHSt 32, 48, 57[]
  3. Roxin, Straf­recht All­ge­mei­ner Teil Band I, 4. Aufl. § 24 Rn. 79[]
  4. RGSt 16, 129[]
  5. BGH, Urteil vom 30.03.1993 – 5 StR 720/​92, BGHSt 39, 195, 199; Stree/​SternbergLieben in Schönke/​Schröder, StGB, 28. Aufl. Vor­bem. §§ 52 ff. Rn. 119; vgl. auch BGH, Urteil vom 31.03.1955 – 4 StR 51/​55, BGHSt 7, 287, 289 [Tat­mehr­heit][]
  6. BGH, Urteil vom 06.09. 1995 – 2 StR 310/​95, StV 1996, 90; Urteil vom 21.04.2004 – 1 StR 522/​03[]