Dieb­stahl mit Pfefferspray

Das Pfef­fer­spray ist ein von § 244 Abs. 1 Nr. 1a StGB (Dieb­stahl mit Waf­fen) erfass­tes Tatmittel.

Dieb­stahl mit Pfefferspray

Dabei bedarf kei­ner Ent­schei­dung, ob es sich um eine „Waf­fe[1] oder um „ein ande­res gefähr­li­ches Werk­zeug[2] han­delt. Für die Eigen­schaft als „Waf­fe“ im straf­recht­li­chen Sin­ne [3] könn­te spre­chen, dass mit Pfef­fer­spray gefüll­te Dosen als trag­ba­re Gegen­stän­de gemäß § 1 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. a WaffG (i.V.m. Anla­ge 1 Abschnitt 1 Unter­ab­schnitt 2 Nr. 1.2.2.) sogar als Waf­fen im waf­fen­recht­li­chen Sinn in Betracht kom­men [4].

Jeden­falls han­delt es sich aber um ein „ande­res gefähr­li­ches Werk­zeug“ [5], weil das in der Dose ent­hal­te­ne Pfef­fer­spray nach sei­ner kon­kre­ten objek­ti­ven Beschaf­fen­heit geeig­net ist, einem Opfer erheb­li­che Kör­per­ver­let­zun­gen zuzu­fü­gen [6].

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te der Täter das Pfef­fer­spray wäh­rend der gesam­ten Aus­füh­rungs­pha­se des Dieb­stahls am Lap­top bei sich geführt. Für die­ses Merk­mal genügt – wie bei der weit­ge­hend inhalts­glei­chen Qua­li­fi­ka­ti­on aus § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG [7], wenn der Täter den frag­li­chen Gegen­stand bewusst gebrauchs­be­reit in der Wei­se bei sich hat, dass er sich sei­ner jeder­zeit bedie­nen kann.

Die­se Vor­aus­set­zung ist gege­ben, wenn sich der Gegen­stand der­art in räum­li­cher Nähe befin­det, dass ein Zugriff ohne nen­nens­wer­ten Zeit­auf­wand und ohne nen­nens­wer­te Schwie­rig­kei­ten mög­lich ist; dafür genügt in räum­li­cher Hin­sicht Griff­wei­te [8].

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te der Täter das Pfef­fer­spray zeit­lich kurz vor dem Dieb­stahl gegen den Bewoh­ner ein­ge­setzt. Die Dose mit dem Pfef­fer­spray warf er erst weg, nach­dem er mit dem an sich genom­me­nen Lap­top aus dem Fens­ter des vom Zeu­gen bewohn­ten Zim­mers gesprun­gen war. Das beleg­te für den Bun­des­ge­richts­hof die objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der Qua­li­fi­ka­ti­on gemäß § 244 Abs. 1 Nr. 1a StGB.

Für die Ver­ur­tei­lung wegen Dieb­stahls mit Waf­fen kommt es nicht dar­auf an, dass sich zum Zeit­punkt die­ser Tat kei­ne ande­re Per­son als der Täter in dem Zim­mer auf­hielt, nach­dem dem Bewoh­ner sei­ne Flucht und das Ein­schlie­ßen des Ange­klag­ten gelun­gen waren. Der Grund für die gegen­über dem Grund­tat­be­stand höhe­re Straf­dro­hung liegt gera­de in der mit dem Bei­sich­füh­ren eines gefähr­li­chen Gegen­stan­des ein­her­ge­hen­den erhöh­ten abs­trakt gene­rel­len Gefähr­lich­keit der Tat­be­ge­hung, die ihrer­seits ihre Ursa­che in der laten­ten Gefahr des Ein­sat­zes der frag­li­chen Gegen­stän­de als Nöti­gungs­mit­tel fin­det [9]. Die­se erhöh­te gene­rel­le Gefähr­lich­keit hat den Gesetz­ge­ber des Sechs­ten Geset­zes zur Reform des Straf­rechts [10] ver­an­lasst, den Anwen­dungs­be­reich der Qua­li­fi­ka­ti­on über die zuvor allein erfass­ten Schuss­waf­fen hin­aus zu erwei­tern [11].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2017 – 1 StR 112/​17

  1. vgl. Fischer, StGB, 64. Aufl., § 244 Rn. 4; Mitsch, JR 2009, 297, 299[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 12.06.2012 – 3 StR 186/​12, NStZ-RR 2012, 308 [bzgl. § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB], wohl auch BGH, Beschluss vom 01.10.2008 – 5 StR 445/​08, BGHSt 52, 376, 377 Rn. 4[]
  3. zum Begriff grund­le­gend BGH, Beschluss vom 04.02.2003 – GSSt 2/​02, BGHSt 48, 197, 203 ff.[]
  4. Münch­Komm-StGB/H­ein­rich, 2. Aufl., Band 8, WaffG § 1 Rn. 117; Gade/​Stoppa, Waf­fen­ge­setz, Anla­ge 1 Rn. 105 f.; sie­he auch Mitsch aaO[]
  5. BGH, Beschluss vom 12.06.2012 – 3 StR 186/​12, NStZ-RR 2012, 308 [bzgl. § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB][]
  6. zum Maß­stab BGH, Beschluss vom 21.06.2012 – 5 StR 286/​12, NStZ 2012, 571 f. mwN; grund­le­gend Beschluss vom 03.06.2008 – 3 StR 246/​07, BGHSt 57, 257, 269 Rn. 32[]
  7. BGH, Urteil vom 14.01.1997 – 1 StR 580/​96, BGHSt 42, 368, 371; Fischer aaO § 244 Rn. 27[]
  8. näher BGH, Urteil vom 12.01.2017 – 1 StR 394/​16, Stra­Fo 2017, 378 Rn. 7 mwN [zu § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG][]
  9. BGH, Beschluss vom 03.06.2008 – 3 StR 246/​07, BGHSt 52, 257, 268 Rn. 30 mwN[]
  10. vom 28.01.1998, BGBl. I S. 164[]
  11. vgl. BT-Drs. 13/​9064, S. 18[]