Dieb­stahl, Raub – und die Zueig­nungs­ab­sicht

Die Zueig­nungs­ab­sicht ist gege­ben, wenn der Täter im Zeit­punkt der Weg­nah­me die frem­de Sache unter Aus­schlie­ßung des Eigen­tü­mers oder bis­he­ri­gen Gewahr­sams­in­ha­bers kör­per­lich oder wirt­schaft­lich für sich oder einen Drit­ten erlan­gen und sie der Sub­stanz oder dem Sach­wert nach sei­nem Ver­mö­gen oder dem eines Drit­ten ‚ein­ver­lei­ben‘ oder zufüh­ren will [1].

Dieb­stahl, Raub – und die Zueig­nungs­ab­sicht

An dem für eine Aneig­nung erfor­der­li­chen Wil­len des Täters, den Bestand sei­nes Ver­mö­gens oder den des Ver­mö­gens eines Drit­ten zu meh­ren, fehlt es dage­gen, wenn er das Nöti­gungs­mit­tel nur zur Erzwin­gung einer Gebrauchs­an­ma­ßung ein­setzt oder wenn er die frem­de Sache nur weg­nimmt, um sie ‚zu zer­stö­ren‘, ‚zu ver­nich­ten‘, ‚preis­zu­ge­ben‘, ‚weg­zu­wer­fen‘, ‚bei­sei­te zu schaf­fen‘, ‚zu beschä­di­gen‘, sie als Druck­mit­tel zur Durch­set­zung einer For­de­rung zu benut­zen oder um den Eigen­tü­mer durch blo­ßen Sach­ent­zug zu ärgern [2].

Die Zueig­nungs­ab­sicht kann auch bei einer Weg­nah­me mit dem Wil­len vor­han­den sein, die Sache zunächst zu behal­ten und sich erst spä­ter dar­über schlüs­sig zu wer­den, wie über sie zu ver­fü­gen sei [3].

Im vor­lie­gen­den Fall kam dar­über hin­aus eine – bei feh­len­der Zueig­nungs­ab­sicht mög­li­che [4] – Straf­bar­keit wegen räu­be­ri­scher Erpres­sung (§ 253 Abs. 1, § 255 StGB) nicht in Betracht, denn der Ange­klag­te han­del­te nicht in der Absicht, sich oder einen Drit­ten zu berei­chern:

Blo­ßer Besitz einer Sache bil­det einen Ver­mö­gens­vor­teil nur dann, wenn ihm ein eigen­stän­di­ger wirt­schaft­li­cher Wert zukommt, etwa weil er zu wirt­schaft­lich mess­ba­ren Gebrauchs­vor­tei­len führt, die der Täter oder der Drit­te für sich nut­zen will. Dar­an fehlt es nicht nur in den Fäl­len, in denen der Täter die Sache unmit­tel­bar nach Erlan­gung ver­nich­ten will, son­dern auch dann, wenn er den mit sei­ner Tat ver­bun­de­nen Ver­mö­gens­vor­teil nur als not­wen­di­ge oder mög­li­che Fol­ge sei­nes aus­schließ­lich auf einen ande­ren Zweck gerich­te­ten Ver­hal­tens hin­nimmt [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. April 2018 – 4 StR 348/​17

  1. BGH, Urteil vom 28.06.1961 – 2 StR 184/​61 = BGHSt 16, 190 [192] = NJW 1961, 2122; Beschluss vom 05.03.1971 – 3 StR 231/​69 = BGHSt 24, 115 [119] = NJW 1971, 900; Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10 = NStZ 2011, 699 [701][]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.09.1984 – 3 StR 367/​84 = NJW 1985, 812; vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10 = NStZ 2011, 699, 701 – jeweils mwN; BGH, Beschlüs­se vom 28.04.2015 – 3 StR 48/​15, NStZ-RR 2015, 371; vom 09.06.2015 – 3 StR 146/​15[]
  3. BGH, Urteil vom 25.10.1968 – 4 StR 398/​68, GA 1969, 306, 307[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 05.07.1960 – 5 StR 80/​60 = BGHSt 14, 386 = NJW 1960, 1729[]
  5. vgl. nur BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10 = NStZ 2011, 699, 701; Beschluss vom 14.02.2012 – 3 StR 392/​11 = NStZ 2012, 627[]