Dieb­stahl – und der Wert der gestoh­le­nen Sachen

Das Gericht kann im Rah­men der Straf­zu­mes­sung, um den Erfolgs­un­wert der Dieb­stahls­ta­ten zu bestim­men, auf den Brut­to­ver­kaufs­preis der in den Geschäfts­räu­men des Ein­zel­han­dels ent­wen­de­ten Klei­dungs­ar­ti­kel abstel­leb; es ist nicht gehal­ten, den Net­to­ein­kaufs­preis zu ermit­teln,

Dieb­stahl – und der Wert der gestoh­le­nen Sachen

Der objek­ti­ve Ver­kehrs­wert der gestoh­le­nen Sache zum Zeit­punkt der Tat stellt ein taug­li­ches Straf­zu­mes­sungs­kri­te­ri­um dar. Die Gren­ze der Gering­wer­tig­keit nach § 243 Abs. 2 und § 248a StGB, in der nach der gesetz­li­chen Wer­tung ein erheb­lich ver­min­der­ter Erfolgs­un­wert zum Aus­druck kommt [1], rich­tet sich eben­falls nach die­sem Wert [2].

Ist die Sache beim Gewahr­sams­in­ha­ber zum Ver­kauf bestimmt, so bemisst sich der objek­ti­ve Ver­kehrs­wert nach ihrem kon­kre­ten Ver­kaufs­preis als dem tat­säch­li­chen Markt­preis [3]. Auch die im Ein­zel­han­del aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er ist dabei Bestand­teil die­ses Prei­ses [4]. Auf Wie­der­be­schaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten kommt es für die Ver­kehrs­wert­be­mes­sung hin­ge­gen nicht an [5]. Das gilt umso mehr, als ande­ren­falls der Ver­kehrs­wert von schuld­in­dif­fe­ren­ten Zufäl­lig­kei­ten abhin­ge, bei­spiels­wei­se davon, ob in Ver­kaufs­räum­lich­kei­ten Ware, die ein Kun­de bereits an sich genom­men hat, vor oder nach dem Bezahl­vor­gang gestoh­len wird.

Eben­so kann das Land­ge­richt davon abse­hen, etwai­ge sai­son­be­ding­te Preis­re­du­zie­run­gen zur Ver­kaufs­för­de­rung in Abzug zu brin­gen. Dem liegt der Gedan­ke zugrun­de, dass der regu­lä­re Ver­kaufs­preis die Wert­vor­stel­lung der Markt­teil­neh­mer prägt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Mai 2017 – 3 StR 136/​17

  1. vgl. Schä­fer/​Sander/​van Gemme­ren, Pra­xis der Straf­zu­mes­sung, 5. Aufl., Rn. 581[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 29.10.1980 – 4 StR 534/​80, NStZ 1981, 62, 63; fer­ner RG, Urteil vom 12.11.1917 – 1 D 437/​17, GA 65 [1918], 545, 546; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 16.03.1987 – 5 Ss 44/​87 – 48/​87 I, NJW 1987, 1958[]
  3. vgl. SSW-StGB/­Kud­lich, 3. Aufl., § 243 Rn. 43; Münch­Komm-StGB/­Schmitz, 2. Aufl., § 243 Rn. 67; LK/​Vogel, StGB, 12. Aufl., § 243 Rn. 58[]
  4. s. AG Kas­sel, Urteil vom 12.12 2012 – 282 Ds – 2820 Js 13802/​12 35[]
  5. vgl. LK/​Vogel, aaO[]