Dol­met­scher für den Neben­klä­ger

Es stellt kei­nen abso­lu­ten Revi­si­ons­grund dar, wenn einem des Deut­schen nicht mäch­ti­gen Neben­klä­ger in der Haupt­ver­hand­lung kein Dol­met­scher zur Ver­fü­gung steht.

Dol­met­scher für den Neben­klä­ger

Der Neben­klä­ger gehört nicht zu den Per­so­nen, deren Anwe­sen­heit in der Haupt­ver­hand­lung das Gesetz vor­schreibt 1. Sei­ne Abwe­sen­heit in der Haupt­ver­hand­lung führt daher nicht zum Vor­lie­gen des abso­lu­ten Revi­si­ons­grun­des des § 338 Nr. 5 StPO, viel­mehr kann er sie ledig­lich nach § 337 StPO rügen 2. Nichts ande­res gilt in Fäl­len, in denen der Neben­klä­ger zwar anwe­send ist, ihm aber kein Dol­met­scher zur Sei­te steht.

Zwar ist nach § 185 GVG von Amts wegen ein Dol­met­scher zuzu­zie­hen, wenn in der Haupt­ver­hand­lung ein Betei­lig­ter – ein sol­cher ist auch der Neben­klä­ger – der deut­schen Spra­che nicht mäch­tig ist 3. Da die Abwe­sen­heit eines not­wen­di­gen Dol­met­schers aber für den Neben­klä­ger zur Fol­ge hat, dass er der Haupt­ver­hand­lung nicht fol­gen und er dort sei­ne Rech­te nicht wahr­neh­men, sie also nicht beein­flus­sen kann, kann er bei Vor­lie­gen einer sol­chen Geset­zes­ver­let­zung – revi­si­ons­recht­lich – nicht bes­ser gestellt sein, als wenn er gar nicht anwe­send war. Wie sei­ne eige­ne Abwe­sen­heit kann er des­halb auch die Abwe­sen­heit des für ihn not­wen­di­gen Dol­met­schers ledig­lich als rela­ti­ven Revi­si­ons­grund gel­tend machen.

Für die hier­nach erfor­der­li­che Ver­fah­rens­rüge braucht sich die Revi­si­ons­be­grün­dung zwar mit der Fra­ge des Beru­hens grund­sätz­lich nicht zu befas­sen 4. Nach § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO ist es aber erfor­der­lich, dass die Revi­si­ons­be­grün­dung den zur Beur­tei­lung der Zuläs­sig­keit erfor­der­li­chen Sach­ver­halt eigen­stän­dig und voll­stän­dig vor­trägt. Hier­für muss sie im Fall einer Neben­klä­ger­re­vi­si­on auch – soweit sich dies nicht schon aus dem Antrag ergibt oder von selbst ver­steht – dar­le­gen, dass sie mit der Ver­fah­rens­rüge ein nach § 400 StPO zuläs­si­ges Ziel ver­folgt.

Bean­stan­det der Neben­klä­ger daher, dass er an der Haupt­ver­hand­lung aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den nicht oder nur ein­ge­schränkt teil­neh­men konn­te, muss er vor­tra­gen, dass er – läge die Geset­zes­ver­let­zung nicht vor – Tat­sa­chen hät­te vor­brin­gen oder Beweis­mit­tel hät­te benen­nen kön­nen, die für den Schuld­spruch wegen eines Neben­kla­ge­de­likts wesent­li­che Bedeu­tung haben konn­ten 5.

Den sich hier­aus erge­ben­den Anfor­de­run­gen genügt der Vor­trag der Revi­si­on, die ohne wei­te­re Kon­kre­ti­sie­rung ledig­lich behaup­tet, dass der Neben­klä­ger "Anträ­ge oder Erklä­run­gen abge­ge­ben hät­te, die das Urteil hät­ten beein­flus­sen kön­nen", jeden­falls ange­sichts der Beson­der­hei­ten des vor­lie­gen­den Fal­les nicht. Denn es ist nichts dafür ersicht­lich, dass der bei dem Tat­ge­sche­hen nicht anwe­sen­de Neben­klä­ger, des­sen anwalt­li­cher Bei­stand auch an den in Fra­ge ste­hen­den Haupt­ver­hand­lungs­ta­gen unun­ter­bro­chen anwe­send war, ohne die Abwe­sen­heit des Dol­met­schers zu bean­stan­den, an die­sen bei­den Tagen Tat­sa­chen hät­te vor­brin­gen oder Beweis­mit­tel hät­te benen­nen kön­nen, die für den Schuld­spruch wegen eines Neben­kla­ge­de­likts wesent­li­che Bedeu­tung haben konn­ten, zumal an meh­re­ren wei­te­ren Haupt­ver­hand­lungs­ta­gen für ihn Dol­met­scher tätig waren und ihm auf Anre­gung sei­ner Rechts­an­wäl­tin auch am Nach­mit­tag des hier gegen­ständ­li­chen Tages für die Abga­be einer Erklä­rung ein Dol­met­scher zur Sei­te gestellt wur­de.

Dass der Neben­klä­ger in sei­nen Rech­ten dadurch betrof­fen wur­de, dass er bei ande­rer Gele­gen­heit kei­ne (sach­dien­li­chen) Erklä­run­gen abge­ben, Tat­sa­chen vor­brin­gen oder Beweis­an­trä­ge stel­len konn­te, weil er der an den bei­den Ver­hand­lungs­ta­gen durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me bzw. Haupt­ver­hand­lung im Übri­gen ohne einen Dol­met­scher nicht fol­gen konn­te, hat die Revi­si­on nicht behaup­tet und nicht gel­tend gemacht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Sep­tem­ber 2014 – – 4 StR 473/​13

  1. BGH, Urteil vom 30.07.1996 – 5 StR 199/​96, BGHR StPO § 400 Abs. 1 Prü­fungs­um­fang 2; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, aaO, § 338 Rn. 42[]
  2. BGH aaO; Beschluss vom 13.01.1999 – 2 StR 586/​98, NStZ 1999, 259; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, aaO[]
  3. BGH, Beschluss vom 22.11.2002 – 1 StR 298/​02, BGHR GVG § 185 Zuzie­hung 3[]
  4. vgl. dazu indes BGH, Urteil vom 26.05.1981 – 1 StR 48/​81, BGHSt 30, 131, 135[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 30.07.1996 – 5 StR 199/​96, BGHR StPO § 400 Abs. 1 Prü­fungs­um­fang 2; Beschluss vom 13.01.1999 – 2 StR 586/​98, NStZ 1999, 259[]