Drei­ecks­be­trug – und das Ver­mö­gen der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen

Zwar ist es für einen sog. Drei­ecks­be­trug aus­rei­chend, dass die getäusch­te und die ver­fü­gen­de Per­son iden­tisch sind; nicht erfor­der­lich ist die Iden­ti­tät der ver­fü­gen­den und der geschä­dig­ten Per­son 1.

Drei­ecks­be­trug – und das Ver­mö­gen der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen

Der Tat­be­stand des Betru­ges ist aber nur dann erfüllt, wenn die Ver­fü­gung des Getäusch­ten dem Ver­mö­gens­in­ha­ber zuzu­rech­nen ist 2; denn nur dann erscheint die Hand­lung des Getäusch­ten als eine Ver­fü­gung des Ver­mö­gens­in­ha­bers und nicht als eine durch den Täu­schen­den gesteu­er­te "gut­gläu­bi­ge" Weg­nah­me 3.

Eine der­ar­ti­ge Zurech­nung hat jeden­falls dann statt­zu­fin­den, wenn der irren­de Ver­fü­gen­de die recht­li­che Befug­nis hat, Rechts­än­de­run­gen mit unmit­tel­ba­rer Wir­kung für das frem­de Ver­mö­gen vor­zu­neh­men 4. Dage­gen reicht die rein fak­ti­sche Mög­lich­keit des Getäusch­ten, auf Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de eines Drit­ten zuzu­grei­fen, für sich allein grund­sätz­lich nicht aus 5.

Nach der Recht­spre­chung ist es für eine Zurech­nung der Ver­fü­gung zum geschä­dig­ten Ver­mö­gen aber aus­rei­chend, dass der Ver­fü­gen­de im Lager des Ver­mö­gens­in­ha­bers steht (sog. Lager­theo­rie 6). Vor­aus­set­zung hier­für ist ein – fak­ti­sches oder recht­li­ches – Nähe­ver­hält­nis des Ver­fü­gen­den zu dem geschä­dig­ten Dritt­ver­mö­gen, das schon vor der Tat bestan­den hat 7. Ein sol­ches liegt etwa dann vor, wenn der Getäusch­te mit dem Ein­ver­ständ­nis des Ver­mö­gens­in­ha­bers eine Schutz- oder Prü­fungs­funk­ti­on wahr­nimmt 8. Als aus­rei­chend hier­für wird die Stel­lung als Mit­ge­wahr­sams­in­ha­ber ange­se­hen 9.

Soweit das für einen Drei­ecks­be­trug erfor­der­li­che Nähe­ver­hält­nis der Ver­fü­gen­den zu den Ver­mö­gen der Geschä­dig­ten nicht gege­ben ist, ist in den Blick zu neh­men, ob inso­weit ein Dieb­stahl in mit­tel­ba­rer Täter­schaft (§§ 242, 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB) in Betracht kommt. Ein sol­cher liegt jeden­falls dann nicht fern, wenn der Ver­fü­gen­den im Hin­blick auf eine nur "kurz­fris­ti­ge Lei­he" die Absicht zur Selbst- oder Dritt­zu­eig­nung fehl­te, auch wenn eine sol­che Annah­me in den Fäl­len eher fern­liegt, wenn meh­re­re Mona­te nach Über­ga­be der ers­ten Gegen­stän­de, die­se immer noch nicht zurück­ge­ge­ben waren.

Soll­ten dem Täter auf­grund einer Täu­schungs­hand­lung sowohl frem­de als auch eige­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de über­ge­ben wor­den sein, ist auch eine Tat­ein­heit (§ 52 StGB) zwi­schen Dieb­stahl in mit­tel­ba­rer Täter­schaft und Betrug nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Zwar besteht hin­sicht­lich ein und des­sel­ben Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des zwi­schen Betrug (§ 263 StGB) und Dieb­stahl (§ 242 StGB) ein Exklu­si­vi­täts­ver­hält­nis 10. Tat­ein­heit kann aber dann vor­lie­gen, wenn neben­ein­an­der ver­schie­de­ne Tat­ob­jek­te betrof­fen sind, hin­sicht­lich derer unter­schied­li­che Eigen­tums­ver­hält­nis­se bestehen 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2017 – 1 StR 41/​17

  1. st. Rspr.; vgl. bereits BGH, Urteil vom 16.01.1963 – 2 StR 591/​62, BGHSt 18, 221, 223[]
  2. vgl. Fischer, StGB, 64. Aufl., § 263, Rn. 79 sowie Tie­de­mann in LK-StGB, 12. Aufl., § 263, Rn. 114 mwN[]
  3. vgl. Satz­ger in SSW-StGB, 3. Aufl., § 263 Rn.192[]
  4. vgl. Tie­de­mann aaO Rn. 113 sowie Satz­ger aaO Rn.193, jeweils mwN[]
  5. vgl. BGH aaO, BGHSt 18, 221, 223 f.[]
  6. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 22.01.2013 – 1 StR 416/​12, BGHSt 58, 119, 127 f. Rn. 34 [bzgl. § 263a StGB] sowie Fischer aaO Rn. 82 und Satz­ger aaO Rn.195[]
  7. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.07.1996 – 5 StR 168/​96, NStZ 1997, 32, 33; und vom 20.12 2007 – 1 StR 558/​07, NStZ 2008, 339 f. sowie Fischer aaO Rn. 79[]
  8. vgl. Fischer aaO Rn. 83 und Tie­de­mann aaO Rn. 116[]
  9. vgl. BGH aaO, BGHSt 18, 221, 223[]
  10. vgl. Satz­ger in SSW-StGB, 3. Aufl., § 263, Rn. 141 mwN[]
  11. vgl. Satz­ger aaO Rn. 352[]