Dublet­ten­kenn­zei­chen – am fal­schen Fahr­zeug

Hat jemand "Dublet­ten­kenn­zei­chen" an sei­nem Fahr­zeug ange­bracht, also allein für ein ande­res Fahr­zeug aus­ge­ge­be­ne Kenn­zei­chen­merk­ma­le nach § 8 Abs. 1 Satz 2 FZV ver­wen­det, wer­den hier­durch die Vor­aus­set­zun­gen einer Urkun­de im Sin­ne des § 267 StGB nicht dar­ge­tan. Erfor­der­lich ist zusätz­lich, dass die Kenn­zei­chen amt­li­che Erklä­run­gen ver­kör­pert haben.

Dublet­ten­kenn­zei­chen – am fal­schen Fahr­zeug

Zwar han­delt es sich bei einem mit einer Stem­pel­pla­ket­te der Zulas­sungs­be­hör­de ver­se­he­nen, an dem Kraft­fahr­zeug, für das es zuge­teilt ist, ange­brach­ten Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen (§ 8 Abs. 1, § 10 Abs. 3 Satz 1 FZV) um eine (zusam­men­ge­setz­te) Urkun­de im Sin­ne des § 267 StGB [1]. Nur das mit der Stem­pel­pla­ket­te ver­se­he­ne Kenn­zei­chen ver­kör­pert die Erklä­rung der Zulas­sungs­be­hör­de als Aus­stel­le­rin, dass das Fahr­zeug unter die­sem Kenn­zei­chen für einen bestimm­ten, im Fahr­zeug­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Hal­ter zum öffent­li­chen Ver­kehr zuge­las­sen wor­den ist [2]. Fehlt eine sol­che Stem­pel­pla­ket­te, lässt sich dem blo­ßen Kenn­zei­chen kei­ne beweis­be­stimm­te und beweis­ge­eig­ne­te Erklä­rung der Zulas­sungs­stel­le ent­neh­men. Dann liegt kei­ne Urkun­de im Sin­ne des § 267 StGB vor, son­dern nur ein Kenn­zei­chen im Sin­ne der Straf­vor­schrift des § 22 StVG [3]. Dass auf den "Dublet­ten­kenn­zei­chen" eine Stem­pel­pla­ket­te ange­bracht war, war im vor­lie­gen­den Fall aller­dings nicht fest­ge­stellt.

Wür­de das Anbrin­gen der "Dublet­ten­kenn­zei­chen" den Tat­be­stand der Urkun­den­fäl­schung erfül­len – etwa weil sie auch mit einer Stem­pel­pla­ket­te ver­se­hen waren –, so bestün­de zwi­schen die­ser Tat und den Fahr­ten Tat­ein­heit, wenn der Ange­klag­te schon bei dem Her­stel­len der zusam­men­ge­setz­ten Urkun­de den Vor­satz gehabt hät­te, das Fahr­zeug im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr zu nut­zen. Ent­spre­chen­des wür­de auch gel­ten, wenn sich das Anbrin­gen der "Dublet­ten­kenn­zei­chen" nur als Kenn­zei­chen­miss­brauch gemäß § 22 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 StVG dar­stellt [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. August 2017 – – 1 StR 173/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.09.1999 – 4 StR 71/​99, BGHSt 45, 197, 200 mwN noch zu amt­li­chen Kenn­zei­chen nach §§ 18, 23 StVZO; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 267 Rn. 23[]
  2. BGH, Urtei­le vom 07.09.1962 – 4 StR 266/​62, BGHSt 18, 66, 70; und vom 14.05.1987 – 4 StR 49/​87, BGHSt 34, 375, 376 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 07.09.1962 – 4 StR 266/​62, BGHSt 18, 66, 70[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.09.1962 – 4 StR 266/​62; BGHSt 18, 66, 71; König in Hentschel/​König/​Dau­er, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 44. Aufl. § 22 StVG Rn. 10[]