"Ech­te" und "fal­sche" Thü­rin­ger

Das im letz­ten Thü­rin­ger Wahl­kampf ver­wen­de­te NPD-Wahl­pla­kat mit dem Slo­gan "ech­te" und "fal­scher Thü­rin­ger" hat­te ein juris­ti­sches Nach­spiel: Als drit­te und letz­te Instanz bestä­tig­te jetzt das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt ein Urteil, mit dem der Spit­zen­kan­di­dat der NPD für die Thü­rin­ger Land­tags­wah­len im August 2009 wegen Belei­di­gung eines CDU-Mit­glieds zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den ist.

<span class="dquo">"</span>Ech­te" und "fal­sche" Thü­rin­ger

Der Ange­klag­te war für ein Wahl­pla­kat der NPD ver­ant­wort­lich, auf dem das Kon­ter­fei des aus Ango­la stam­men­den (dun­kel­häu­ti­gen) Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten der Thü­rin­ger CDU mit dem Unter­ti­tel „fal­scher Thü­rin­ger“ neben einer als „ech­te Thü­rin­ger“ bezeich­ne­ten Brat­wust abge­bil­det war. Das Pla­kat war in der Zeit vom 22. bis 31.08.2009 in ver­schie­de­nen Thü­rin­ger Städ­ten und Gemein­den (Nord­hau­sen, Saal­feld, Gera etc.) auf­ge­hängt.

Das Amts­ge­richt Heil­bad Hei­li­gen­stadt hat­te den Ange­klag­ten erst­in­stanz­lich im Juli ver­gan­ge­nen Jah­res zu einer Geld­stra­fe von 60 Tages­sät­zen ver­ur­teilt 1. Sei­ne hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung blieb erfolg­los, das Land­ge­richt Mühl­hau­sen ver­warf sie im Dezem­ber letz­ten Jah­res 2. Und nun blieb auch die Revi­si­on beim Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt ohne Erfolg. Schuld- und Straf­aus­spruch sind damit rechts­kräf­tig.

Das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt Straf­se­nat hat die Revi­si­on des Ange­klag­ten ver­wor­fen. Der Belei­di­gungs­tat­be­stand sei erfüllt, da – so das Thü­rin­ger OLG in den Beschluss­grün­den – „die Pla­kat­dar­stel­lung die Erklä­rung impli­zie­re, dass der Geschä­dig­te als Mensch mit dunk­ler Haut­far­be des­we­gen in Thü­rin­gen nichts zu suchen habe, also eine Äuße­rung, die ihm einen nicht vor­han­de­nen Man­gel an per­so­na­lem Gel­tungs­wert nach­sa­ge“. Die Dif­fa­mie­rung des Geschä­dig­ten und nicht etwa die sach­li­che – im Wahl­kampf legi­ti­me – poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der CDU und deren Aus­län­der­po­li­tik stün­de im Vor­der­grund, wes­halb sich der Ange­klag­te auch nicht auf eine Wahr­neh­mung berech­tig­ter Inter­es­sen im Rah­men poli­ti­scher Mei­nungs­bil­dung beru­fen kön­ne. Bei der Bewer­tung der „Ver­un­glimp­fung des Geschä­dig­ten, mit dem Ziel ihn wegen sei­ner Haut­far­be als Per­son zu ent­wer­ten“, hat der Senat auch die dem Wahl­pla­kat vor­an­ge­gan­ge­ne Pres­se­kam­pa­gne der NPD berück­sich­tigt, in der der Geschä­dig­te als „CDU-Quo­ten­ne­ger“ bezeich­net wor­den war, den man „ani­mie­ren wol­le, in sei­ner Hei­mat Ango­la ein neu­es Leben zu begin­nen“ etc.

Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 30. Juni 2011 – 1 Ss 25/​11

  1. AG Heil­bad Hei­li­gen­stadt, Urteil vom 30.07.2010 – 101 Js 56773/​09[]
  2. LG Mühl­hau­sen, Urteil vom 28.12.2010 – 101 Js 56773/​09 21 Ds[]