Ein Kampf­hund fällt Men­schen an. Sagt doch schon das Gesetz.

Der Hal­ter eines Kampf­hun­des i.S.d. § 1 Abs. 2 Pol­VogH BW, bei dem die ras­se­spe­zi­fisch begrün­de­te Ver­mu­tung beson­de­rer Gefähr­lich­keit nicht durch eine Ver­hal­tensprü­fung wider­legt ist, muss damit rech­nen, dass der Hund jeder­zeit auch ohne vor­he­ri­ge Warn­zei­chen Men­schen anfällt.

Ein Kampf­hund fällt Men­schen an. Sagt doch schon das Gesetz.

Der Hal­ter eines Hun­des ist ver­pflich­tet, die­sen zu über­wa­chen und so abzu­si­chern, dass Ver­let­zun­gen oder sons­ti­ge Schä­di­gun­gen Drit­ter ver­hin­dert wer­den. Ein Hund stellt eine Gefah­ren­quel­le dar, da er in sei­nem Ver­hal­ten nicht ver­nunft­ge­steu­ert und im All­ge­mei­nen unbe­re­chen­bar ist 1. Die hier­nach im Ein­zel­fall zu tref­fen­den Vor­keh­run­gen rich­ten sich danach, wel­che Anfor­de­run­gen im Hin­blick auf die kon­kre­ten Umstän­de nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung und im Rah­men des Zumut­ba­ren an einen ver­stän­di­gen, umsich­ti­gen und in ver­nünf­ti­gen Gren­zen vor­sich­ti­gen Hun­de­hal­ter zu stel­len sind, um eine Schä­di­gung Drit­ter durch das Tier tun­lichst abzu­wen­den 2. Grund­sätz­lich ist dabei zwar die bis­he­ri­ge Füh­rung des Hun­des von beson­de­rer Bedeu­tung, weil sie die Grund­la­ge für die Annah­me sein kann, dass er die Unbe­re­chen­bar­keit, die im All­ge­mei­nen im Ver­hal­ten eines Tie­res zu beob­ach­ten ist, über­wun­den und sich als gut­ar­tig erwie­sen hat oder er im Gegen­teil bereits durch erhöh­te Aggres­si­ons­be­reit­schaft oder gar Bös­ar­tig­keit auf­ge­fal­len ist 3. Dane­ben spie­len aber auch das Alter und die Ras­se des Hun­des eine Rol­le 4.

Han­delt es sich um einen Kampf­hund, wer­den die Sorg­falts­pflich­ten des Tier­hal­ters durch § 4 der Poli­zei­ver­ord­nung des Innen­mi­nis­te­ri­ums und des Minis­te­ri­ums Länd­li­cher Raum über das Hal­ten gefähr­li­cher Hun­de vom 03.08.2000 (Pol­VOgH) kon­kre­ti­siert. Wäh­rend die Pflich­ten des Tier­hal­ters ledig­lich beim beson­ders gefah­ren­träch­ti­gen Füh­ren eines sol­chen Hun­des außer­halb des befrie­de­ten Besitz­tums in § 4 Abs. 2 bis 5 Pol­VOgH im Ein­zel­nen gere­gelt sind, sta­tu­iert § 4 Abs. 1 Pol­VOgH im Übri­gen, dass die­se Tie­re so zu hal­ten und zu beauf­sich­ti­gen sind, dass von ihnen kei­ne Gefahr für Men­schen, Tie­re oder Sachen aus­ge­hen kann. Für die Beur­tei­lung des Fal­les spielt dabei wei­ter eine Rol­le, dass bei Kampf­hun­den auf­grund ihrer ras­se­spe­zi­fi­schen Merk­ma­le eine gestei­ger­te Aggres­si­vi­tät und Gefähr­lich­keit ver­mu­tet wird, die­se Ver­mu­tung jedoch durch eine Ver­hal­tensprü­fung wider­legt wer­den kann (§ 1 Abs. 1 und 2 Pol­VOgH).

Nach­dem der Ange­klag­te in dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ent­schie­de­nen Straf­ve­wr­fah­ren eine Ver­hal­tensprü­fung des Hun­des nicht vor­ge­nom­men hat­te, muss­te der Ange­klag­te danach allein auf­grund der ras­se­spe­zi­fi­schen Gefähr­lich­keit des Hun­des damit rech­nen, dass die­ser auch ohne vor­he­ri­ge Warn­zei­chen Men­schen anfal­len könn­te und dage­gen Vor­keh­run­gen tref­fen. Gera­de beim Zusam­men­tref­fen mit Kin­dern, bei denen auf­grund ihrer alters­be­ding­ten Uner­fah­ren­heit mit nicht sach­ge­rech­tem Umgang mit Hun­den zu rech­nen ist, war erhöh­te Vor­sicht gebo­ten. Der Ange­klag­te wäre des­halb gehal­ten gewe­sen, den Hund in Anwe­sen­heit des Kin­des ent­we­der anzu­lei­nen oder ihn wäh­rend des Besuchs des Kin­des in einem ande­ren Raum ein­zu­sper­ren, um jeg­li­che Gefähr­dung des Kin­des durch den Hund aus­zu­schlie­ßen. Die Miss­ach­tung die­ser Sorg­falts­pflich­ten, die vor­her­seh­bar – wie gesche­hen – zu durch den Hund ver­ur­sach­ten Ver­let­zun­gen füh­ren konn­te, begrün­det den Vor­wurf fahr­läs­si­gen Han­delns, wobei dem Ange­klag­ten auch die nach­fol­gen­de Ver­let­zung des um den Schutz sei­ner Toch­ter bemüh­ten Vaters zuzu­rech­nen ist.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 2. Juli 2014 – 2 (7) Ss 318/​14; 2 (7) Ss 318/​14AK 97/​14

  1. BayO­bLGSt 1987, 174; NJW 1991, 1695; Stree/​Bosch in Schönke/​Schröder, StGB 28. Aufl.2010, § 13 Rn. 43; Rudolphi/​Stein in SK-StGB, § 13 Rn.27[]
  2. OLG Frank­furt NStZ-RR 2011, 205; BayO­bLG a.a.O. und BayO­bLGSt 1993, LG Ver­den NStZ 2006, 689[]
  3. BayO­bLG a.a.O; LG Ver­den a.a.O.; vgl. auch BGH NStZ 2002, 315[]
  4. BayO­bLG NJW 1991, 1695; LG Ver­den a.a.O.[]